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Warum ein Schub immer ein Alarmsignal ist

21.07.2015

MS ist eine schubförmig verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Doch was bedeutet eigentlich „Schub“? Wann spricht man von einem Schub und wie wird er von kurzfristigen neurologischen Symptomen abgegrenzt? Und warum sollte bei einem Schub immer der Arzt zurate gezogen werden?

Definiert wird ein Schub als ein aufgetretenes neurologisches Defizit oder eine deutliche Verschlimmerung eines schon bekannten neurologischen Defizits, dauerhaft anhaltend für mindestens 24 bis 48 Stunden. Der zeitliche Abstand zum letzten Schub muss mindestens einen Monat betragen.

Typisch: unterschiedliche Symptome
Ein Schub entsteht, wenn die aktiven Entzündungsherde (Läsionen) die Weiterleitung von Nervenimpulsen behindern und so neurologische Ausfallerscheinungen auslösen. Mitunter treten die Krankheitszeichen sehr deutlich auf. Es kann aber auch sein, dass sie vom Patienten kaum bemerkt werden. Häufige Symptome eines Schubes sind:

  • Empfindungsstörungen in Armen und Beinen (z.B. Taubheitsgefühl/Kribbeln)
  • Sehstörungen (z.B. bei Sehnerventzündung)
  • Koordinationsstörungen (z.B. Schwindel/Zittern)
  • Gangunsicherheit
  • Sprechstörungen

In den meisten Fällen bilden sich die Symptome innerhalb von 6 bis 8 Wochen wieder zurück. Beschwerden, die länger als 6 Monate bestehen, bessern sich dann allerdings meist nicht mehr.

Andere neurologische Störungen
Dauern die Krankheitszeichen weniger als 24 und maximal 48 Stunden an, spricht man von paroxysmalen Symptomen. Sie folgen häufig auf Temperaturveränderungen. Diese können durch Fieber, z. B. in Folge einer Infektionskrankheit ausgelöst werden. Oder sie entstehen durch Wärme von außen. Bei diesem sogenannten „Uthoff-Phänomen“ klingen die Beschwerden nach Abkühlung bald wieder ab. Es handelt sich hier also nicht um einen MS-Schub.

Die Symptome ernst nehmen
Ein Schub ist immer ein Anzeichen für Entzündungsaktivität im Gehirn oder im Rückenmark. Leider schreiten die Entzündungen – gerade in schubfreien Zeiten – oft weitgehend unbemerkt voran. Deshalb ist es so wichtig, sie durch eine konsequent eingehaltene Therapie soweit wie möglich zu reduzieren. Die Häufigkeit von Schüben hat zudem Einfluss auf den weiteren Verlauf der MS: Umso höher die Schubrate in den ersten Krankheitsjahren ist, desto schneller schreitet die MS voran! Deshalb gilt es, alle Anzeichen für einen Schub ernst zu nehmen und umgehend zu reagieren. Der behandelnde Arzt sollte immer befragt und evtl. sogar ein Therapiewechsel in Erwägung gezogen werden, wenn vermehrt Schübe auftreten. MS-Patienten sind ganz besonders aufgefordert, die Signale ihres Körpers zu beachten.

Kortison im Schub
Im akuten Schub wird fast immer eine Kortisoninfusion verabreicht, damit die Entzündungsaktivität gestoppt wird. So klingen die Beschwerden am schnellsten ab und bleibende Schäden können meist verhindert werden. Allerdings ist Kortison kein Ersatz für eine verlaufsmodifizierende Therapie der MS. Letztere ist die Grundlage für eine möglichst lange schubfreie Zeit. Eine Zeit, in der der Patient wenig von seiner Erkrankung bemerkt und die Lebensqualität voll erhalten bleibt.

 

 

 

 

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