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Was bedeutet „Personalisierte Medizin“?

19.05.2017

Schon immer war es das Bestreben der Ärzte, bei ihren Therapieentscheidungen auch auf Charakteristika, Wünsche und Bedürfnisse des Patienten einzugehen. Dazu gehören z. B. das Alter, das Geschlecht, die körperliche Verfassung und ob ein Kinderwunsch besteht. Neu sind die Möglichkeiten, auch genetische, molekulare und zelluläre Besonderheiten eines Patienten zu erfassen und in die Therapieentscheidung einfließen zu lassen – die Personalisierte Medizin. Mithilfe der personalisierten Medizin (oder individualisierten Medizin) können nun Patienten unter Einbeziehung ihrer individuellen Voraussetzungen behandelt werden. Es handelt sich also um einen Ansatz, der sowohl die physiologischen Bedingungen des Patienten als auch die Wirkweise der Medikamente berücksichtigt.

Patient ist nicht gleich Patient. Bei der Personalisierten Medizin führen deshalb Ärzte vor der Entscheidung für ein Arzneimittel spezifische Tests durch. Geprüft werden genetische, molekulare oder zelluläre Besonderheiten, man nennt diese „Biomarker“. Die Ergebnisse können zeigen,

•    ob das Medikament voraussichtlich bei diesem Patienten wirksam ist,
•    ob der Patient das Medikament voraussichtlich verträgt,
•    wie das Medikament für diesen Patienten am besten dosiert wird.

Ziel der Personalisierten Medizin ist es, Patienten so individuell wie möglich zu behandeln, ohne dass erst verschiedene Medikamente ausprobiert werden müssen. Damit sollen die Häufigkeit von Nebenwirkungen reduziert und die Wirksamkeit einer Therapie verbessert werden.

Mögliche Entwicklung der Personalisierten Medizin

Noch hält sich der Einsatz der Personalisierten Medizin in engen Grenzen. Die Forschung ist bemüht, mehr Vortests für Medikamente zu entwickeln, von denen eines Tages Patienten mit unterschiedlichsten Erkrankungen profitieren könnten. Dabei sind mehrere Szenarien denkbar: Statt die Wirkung eines Arzneimittels am Patienten abzuwarten, wird ein Vortest mittels einer Blutprobe durchgeführt. Sollte dieser ergeben, dass das Arzneimittel nicht wie erwartet wirkt, wird ein erneuter Vortest mit einem anderen Medikament unternommen. Dieser könnte z. B. auf Unverträglichkeit bei diesem Patienten hinweisen. Erst wenn die Vortests zeigen, welches Medikament als wirksam und verträglich beim jeweiligen Patienten einzustufen ist, wird der Arzt das Medikament verordnen. Bis dieser Prozess etabliert wird, können allerdings noch einige Jahre vergehen.

Personalisierte Medizin bedeutet jedoch nicht, dass für den einzelnen Patienten ein Medikament individuell hergestellt wird.

Keine Zukunftsmusik

Nicht nur in Deutschland forschen internationale Pharma- und Biotech-Firmen intensiv auf dem Gebiet der Personalisierten Medizin. Von besonderer Bedeutung ist diese zurzeit vor allem in der Onkologie, also bei der Behandlung von Krebserkrankungen. In Deutschland sind einige Arzneimittel zugelassen, die z. B. exakt auf die verschiedenen Formen von Lungentumoren abgestimmt sind. Mit einem Gentest lässt sich bei einer Gewebeprobe aus dem Tumor feststellen, ob das Arzneimittel für einen bestimmten Patienten in Betracht kommt. Falls nicht, entscheidet sich der Arzt für eine andere Therapie. Die Entwicklung ist hier rasant, die Onkologie kann erstaunliche Erfolge vorweisen. Aber auch der Einsatz bewährter Medikamente kann durch die Personalisierte Medizin zu mehr Effizienz und besserer Verträglichkeit führen.

Langfristig gesehen wird die Personalisierte Medizin die Qualität der medizinischen Versorgung steigern. Damit wird die Lebensqualität vieler Patienten verbessert. Auch im Bereich MS gibt es einige vielversprechende Forschungsprojekte. So sollen Tests entwickelt werden, mit deren Hilfe sich herausfinden lässt, welche Patienten die besten Chancen haben, mit neuen MS-Medikamenten langfristig erfolgreich behandelt zu werden. Die Erforschung von Biomarkern kann dabei helfen, jeden Patienten maßgeschneidert zu behandeln. Im Idealfall bleibt Patienten mit leichten Symptomen eine unnötige Behandlung erspart, während Betroffene mit hochaktiver Verlaufsform die passende Therapie erhalten, ohne evtl. schwerwiegende Nebenwirkungen hinnehmen zu müssen.

 

Wer mehr wissen möchte zum Stand der Forschung bei MS, kann sich auf www.ms-life.de/ms-wissen/was-ist-ms/ umfassend informieren. Hier finden Sie z. B. mehr zu den Untersuchungen, die zur sicheren Diagnose einer MS durchgeführt werden.

 

 

 

 

 

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