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Wenn die MS nicht schon genug ist

29.05.2017

Nicht immer sind neu auftretende Symptome zwangsläufig der MS zuzuschreiben. Denn MS-Betroffene haben das gleiche Risiko wie jeder Mensch, parallel auch noch weitere Erkrankungen zu entwickeln. Doch lässt sich vorhersagen, wie häufig bestimmte Begleiterkrankungen unter MS auftreten und diese den weiteren Therapieverlauf möglicherweise beeinträchtigen könnten?

Von Begleiterkrankungen, medizinisch Komorbiditäten, spricht man im Allgemeinen dann, wenn bei einem Patienten zeitgleich mindestens zwei diagnostisch voneinander differenzierbare Krankheitsbilder auftreten. Die Frage, wie häufig bestimmte Komorbiditäten unter einer MSGrunderkrankung auftreten, lässt sich nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht eindeutig beantworten. Zwar vermuten die Experten, dass bestimmte Komorbiditäten mit der ursprünglichen Grunderkrankung im Zusammenhang stehen könnten, aber nicht zwangsläufig müssen. Eine systematische Auswertung einer Vielzahl bisher veröffentlichter Studien zeigt, dass Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, chronische Atemwegserkrankungen, erhöhte Cholesterinwerte, psychische Beeinträchtigungen wie Fatigue aber auch Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis (Schuppenflechte) häufig beobachtet werden. Unterschiedliche wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema deuten darauf hin, dass diese Begleiterkrankungen bei MS-Patienten in gleicher Häufigkeit wie in der Allgemeinbevölkerung auftreten, sofern es sich nicht um Komplikationen des Grundleidens handelt. Aufgrund der allgemein gestiegenen Lebenserwartung stellen sich auch bei MS-Betroffenen in vermehrtem Maße alterstypische Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sowie Schäden am Bewegungsapparat ein, die ebenfalls nicht häufiger als in der Normalbevölkerung vorkommen. Jedoch gibt es in der Fachwelt zunehmend Erkenntnis darüber, dass andererseits bestimmte Komorbiditäten den MS-Verlauf verschlimmern können, z. B. wenn sich im Rahmen einer Osteoporose der Halswirbelsäule neben den entzündlichen zusätzlich mechanische Beeinträchtigungen des Rückenmarks einstellen. Dabei besteht in der Diagnostik insgesamt die Gefahr, die angegebenen Symptome ohne nähere Untersuchungen allzu früh als MS-bedingt zu interpretieren und dadurch nicht rechtzeitig die nötigen Therapiemaßnahmen einzuleiten.

Im Jahr 2015 wurde auch deshalb mit Unterstützung der amerikanischen MS-Gesellschaft und des European Committee for Treatment and Research in MS (ECTRIMS) ein Projekt initiiert, dass zu diesem Thema weltweit einheitliche Standards für die Durchführung klinischer Studien, Diagnostik und Therapie erarbeiten soll. Ferner erhoffen die Projektbeteiligten in Zukunft auch damit die Frage nach dem Risiko für MS-Patienten zweifelsfrei beantworten zu können. Bis dahin bleibt festzuhalten, dass eine MS-Erkrankung nicht zwangsläufig das Auftreten von Komorbiditäten begünstigt. Frühzeitig diagnostiziert sind auch bei MS-Betroffenen die meisten Komorbiditäten schon jetzt gut therapierbar. Dennoch gilt die alte Weisheit: Vorbeugen ist besser als Heilen. Zur Vorsorge empfehlen die Experten daher allgemein, das Risiko für bestimmte Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch einen gesunden Lebensstil, etwa durch Verzicht auf Tabakkonsum und cholesterinhaltige Kost, zu reduzieren. Neben den generell zu empfehlenden medizinischen Vorsorgeuntersuchungen bieten mittlerweile auch viele Krankenkassen zur Prävention eine breite Palette unterstützender Angebote, wie beispielsweise gesundheitsorientierte Sportprogramme oder Tipps zur gesunden Ernährung an. Ein Nachfragen bei Ihrer Krankenkasse kann sich lohnen!

 

Faktenbox:

Unter einer Fatigue verstehen Mediziner die außerordentliche Erschöpfbarkeit. Eine Fatigue kann sich sowohl körperlich als auch geistig zeigen. Der Körper scheint nicht über die nötigen Energiereserven zu verfügen und zeigt ein gesteigertes Ruhebedürfnis, das unverhältnismäßig zur vorausgegangenen Aktivität ist und nicht ausreichend durch normale Erholung oder Schlaf kompensiert werden kann.

Der Begriff Osteoporose bezeichnet eine das Skelettsystem betreffende Erkrankung, die durch einen gestörten Knochenstoffwechsel gekennzeichnet ist (verminderte Knochendichte). Sie verläuft zu Beginn nahezu symptomlos und macht sich erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium bemerkbar. Zu den Symptomen der fortgeschrittenen Osteoporose zählen Frakturen (Brüche), Rückenschmerzen und Größenverlust.

Das Rückenmark ist ein Bestandteil des zentralen Nervensystems (ZNS), das innerhalb der Wirbelsäule verläuft. Schädigungen des Rückenmarks, sogenannte Myelopathien, können durch Druck (Tumor), Durchtrennung (Querschnittslähmung) oder Durchblutungsstörungen ausgelöst werden.

Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronische Erkrankung der Haut. Sie ist durch eine schubweise verstärkte Schuppung der Haut gekennzeichnet und wird den sogenannten Autoimmunerkrankungen zugerechnet. Die Ursache der Erkrankung ist bis heute noch nicht vollständig geklärt.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

„Having MS and Other Conditions: Global Group Makes Recommendations for Future Studies of MS Comorbidities“, http://www.nationalmssociety.org/About-the-Society/News/Having-MS-and-Other-Conditions-Global-Group-Make (Zugriff: 20.02.2017)

„A systematic review of the incidence and prevalence of comorbidity in multiple sclerosis: Overview“, Marrie et al., Multiple Sclerosis Journal 2015, Vol. 21(3) 263-281

„Nicht an allen Symptomen ist die Multiple Sklerose schuld: Tipps für den Umgang mit Zusatzerkrankungen“, https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/leben-mit-ms/nicht-an-allensymptomen-ist-die-multiple-sklerose-schuld-tipps-fuer-den-umgang-mit-zusatzerkrankung/ (Zugriff: 20.02.2017)

 

 

 

 

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