MS News

Wenn sich Kinder um ihre Eltern kümmern

30.11.2017

Oftmals betreuen Kinder und Jugendliche ihre MS-kranken Angehörigen wie Eltern oder Geschwister. Schwierig wird es, wenn die Belastung und die Verantwortung zu viel werden. Dann brauchen Kinder Hilfe.

Wenn Familienmitglieder krank werden, gehört dies für die Kinder einfach zum Familienleben dazu – sie sind ja auch hautnah betroffen. Aus diesem Selbstverständnis heraus nehmen die meisten Kinder ihre Rolle in der Betreuung der Familienmitglieder an. Kindern wird es immer wichtig sein, ihren Beitrag zur Familie zu leisten und zu helfen.

Dabei geht es erst einmal nur darum, den Alltag zu meistern, um so normal wie möglich zusammenleben zu können. Oft übernehmen Kinder und Jugendliche aber auch in der Pflege eine verantwortungsvolle Rolle für Familienmitglieder mit MS, insbesondere für ihre Eltern. Darüber gesprochen wird eher selten. In zahlreichen Studien wurde die Rolle von Kindern und Jugendlichen als pflegende Angehörige und die Auswirkungen auf deren Entwicklung untersucht. Das durchschnittliche Alter der Kinder bei Pflegebeginn ist 12 Jahre. Die Hilfe kann umfassende Aufgaben in der häuslichen Pflege betreffen: angefangen bei Aufräumarbeiten und Einkauf über Waschen und Kochen bis hin zur Übernahme der Körperpflege. Natürlich sollten Kinder und Jugendliche nicht das Gefühl haben, alle Verantwortung laste allein auf ihnen. Aber sie wollen und können helfen, sie brauchen allerdings Unterstützung. Ihre Wünsche sind vielfältig und komplex. Vor allem jedoch wünschen sie sich: eine zentrale Anlaufstelle, jemanden zum Reden, Information über die Krankheit und Anleitung zur Pflege sowie unbürokratische, flexible Alltagshilfen. Und trotz allem entwickelt sich unter diesen besonderen Bedingungen oft ein starker familiärer Zusammenhalt und das Bedürfnis, die Krankheit gemeinsam zu bewältigen.

 

Ein Stück Kindheit zurückbekommen

Mit dem Ziel, den Kindern und Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wurde deshalb im Rahmen eines Projektes des Pflegeforschungsverbunds Nordrhein-Westfalen ein professionelles familienorientiertes Unterstützungs- und Hilfeangebot für pflegende Kinder und Jugendliche und ihre Familien erarbeitet. Ihre Wünsche werden aufgegriffen und in allen wichtigen Belangen eine Anleitung gegeben. Sogar persönliche Probleme können mit den Beratern besprochen werden. Dies ist für die Kinder und Jugendlichen eine große Hilfe. Sie haben wieder Zeit für Freunde, Hobbys und Schule – ein Stück ganz normale Kindheit kommt zurück.

 

Weiterführende Informationen:

Broschüren-Download auf MSlife

Auf unserer Homepage – Rubrik MS Service – können Sie sich die Broschüre „Mama oder Papa hat MS“ kostenfrei herunterladen, in der Ihr jüngeres Kind spielerisch lernt, was MS bedeutet.
http://www.ms-life.de/uploads/tx_servicecenter/Biogen_6_Mama_oder_Papa_hat_MS._Ich_erklaere_dir_was_los_ist.pdf

 

Weitere Infos zur Unterstützung von MS-erkrankten Eltern erhalten Sie auch hier:

https://www.wir-pflegen.nrw/unterstuetzung-fuer-pflegende-kinder-und-jugendliche/

 

Referenzen:

„Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige: wer sie sind und was sie leisten.(1990-2006). Pflege 20 (6)", Metzing S., Schnepp W. (2007), 323-330.
„Young Carers in the UK. The 2004 Report", Dearden, C.; Becker, S., Carers UK, London, 2004.
„Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige. Erleben und Gestalten familialer Pflege", Sabine Metzing, Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2007.

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