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Wie eine MS sicher diagnostiziert wird

20.06.2016

Die meisten MS-Patienten reagieren geschockt, wenn sie die Diagnose Multiple Sklerose erhalten. Und viele zweifeln zunächst an der Richtigkeit der Diagnose. Das ist verständlich, doch jeder Neurologe wird mehr als ein Kriterium hinzuziehen, bevor er den Betroffenen mit der Diagnose MS konfrontiert.

Multiple Sklerose sicher zu diagnostizieren, erfordert langjährige neurologische Erfahrung, da eine Vielzahl von Befunden bewertet werden muss. Manchmal ist eine eindeutige Diagnose sogar erst nach einiger Zeit möglich. Für eine zuverlässige Diagnostik wurden klare Standards entwickelt, die sogenannten McDonald-Kriterien. Es sind immer mehrere Untersuchungen notwendig, um zu einem gesicherten Ergebnis zu kommen, hier die wichtigsten:

1. Vorgeschichte (Anamnese)
Einbeziehung der Symptome, des bisherigen Krankheitsgeschehens und des Verlaufs

2. Neurologische Untersuchung
Überprüfung von Sensibilität, Koordination, Kraft, Reflexen und Feinmotorik, z. B. mit dem Finger-Nase-Versuch oder mittels des Reflexhammers

3. Evozierte Potenziale
gezielt ausgelöste elektrische Spannungsunterschiede über Oberflächenelektroden; prüfen die Funktionsfähigkeit bestimmter Nervenbahnen und weisen Störungen bereits nach, wenn der Patient sie noch nicht bemerkt

4. MRT (Magnetresonanztomographie)
bildgebendes Verfahren, mit dem sich u. a. Entzündungsherde und Vernarbungen im ZNS zeigen lassen

5. Lumbalpunktion
Entnahme von Nervenwasser aus dem Rückenmark, der „Liquor“ weist MS-typische Antikörper auf (Nachweis sog. oligoklonaler Banden)

Die McDonald-Kriterien

Ärzte nutzen die sogenannten McDonald-Kriterien, um die Diagnose einer Multiplen Sklerose zu sichern. Eine gesicherte MS liegt z. B. vor, wenn mindestens zwei Schübe und mindestens zwei Entzündungsherde im ZNS objektivierbar nachgewiesen sind. Anstelle eines zweiten Schubs kann auch der Nachweis einer neuen Entzündungsaktivität im MRT zur Bestätigung herangezogen werden. Die McDonald-Kriterien ermöglichen bereits nach Auftreten der ersten Symptome eine sichere Diagnose. Vorteil: So kann die MS früh mit einer wirksamen Therapie behandelt werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, dass der Krankheitsverlauf langfristig beeinflusst werden kann.

Bessere Diagnoseverfahren in Sicht?

Vor kurzem hat ein Forscherteam einen potenziellen Biomarker entdeckt, der einen speziellen Autoantikörper im Blut nachweist. Noch befindet sich der Biomarker in der Testphase, doch er könnte die Früherkennung entscheidend verbessern. Auch andere Biomarker könnten wertvolle Hinweise geben, die sowohl zur Therapieentscheidung als auch zur Beurteilung des Therapieansprechens relevant sind.

Ein weiteres Forschungsgebiet ist die Verbesserung der MRT. Die Ultrahochfeld-Magnetresonanztomographie (UHF-MRT) könnte dazu beitragen, Bilder vom ZNS in bisher unerreichter Genauigkeit zu liefern. Das könnte z. B. die Abgrenzung zu anderen entzündlichen Hirnerkrankungen erleichtern.

Nach wie vor wird nach neuen Möglichkeiten geforscht, die MS schnell und zuverlässig zu erkennen. Beruhigend ist aber, dass die zur Verfügung stehenden Verfahren bereits jetzt in den meisten Fällen eine sichere Diagnose ermöglichen.

 

Sie möchten mehr zum Thema „Diagnose“ wissen?

Auf www.MS-life.de finden Sie unter MS-WISSEN, Menüpunkt UNTERSUCHUNG detaillierte Informationen zu den einzelnen Diagnoseverfahren.

 

 

 

 

 

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