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Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

18.07.2016

Der Name sagt es schon: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine gesunde Ernährung, im besten Fall ergänzen sie diese sinnvoll. Während eine Einnahme bei manchen Mitteln nach Absprache mit dem behandelnden Arzt durchaus nützlich sein kann, erleichtern andere nur den Geldbeutel oder sind im schlimmsten Fall sogar schädlich. Die Ihnen verschriebenen MS-Medikamente ersetzt keines der Präparate.

Sich immer gesund zu ernähren, kostet Mühe und Zeit. Der Griff zu Vitaminen oder Nährstoffen in konzentrierter Tabletten- oder Kapselform ist da viel einfacher. Die Werbung für einige dieser Nahrungsergänzungsmittel (siehe Faktenbox) verspricht manchmal sogar eine therapeutische Wirkung und weckt so vielleicht die Hoffnung, unliebsame Medikamente zumindest teilweise ersetzen zu können. Aber auch hier gilt: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz – nicht für eine gesunde Ernährung und schon gar nicht für eine medikamentöse Behandlung! Eine gesunde Ernährung sollte immer das erste Mittel der Wahl sein, um dem Körper die notwendigen Nährstoffe zuzuführen. Sind Ihre Verdauungsorgane gesund, nehmen sie die meisten dieser Stoffe in ausreichender Menge auf. Gerade bei einem Mangel oder erhöhtem Bedarf kann eine zusätzliche Einnahme bestimmter Nahrungssupplemente sinnvoll sein.

 

Faktenbox:

Nahrungsergänzungsmittel gehören rechtlich zu den Lebensmitteln, werden jedoch in „lebensmitteluntypischer“ Form, etwa als Tabletten, Kapseln oder Pulver, eingenommen. Sie enthalten Vitamine, Antioxidanzien oder andere, die allgemeine Ernährung ergänzende Substanzen in konzentrierter Form. Anders als bei Arzneimitteln muss ihre Wirksam- und Verträglichkeit nicht durch Studien belegt werden. Solche Studien liegen in der Regel für Nahrungsergänzungsmittel nicht vor.

 

Auch für MS-Patienten kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln möglicherweise sinnvoll sein. Besprechen Sie die Einnahme jedoch unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt. Er kann Ihnen sagen, ob und in welcher Dosis sie sinnvoll ist, welchen Einfluss sie auf Ihre Therapie hat und ob Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten bestehen. Er kennt Ihr Krankheitsbild am besten und berücksichtigt für eine abgestimmte Dosis auch Ihre Ernährungsgewohnheiten.

Nachfolgend stellen wir einige Ergänzungspräparate genauer vor, die auch für MS-Patienten hilfreich seien können. Befragen Sie hierzu Ihren Arzt:

Mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können vom Körper nicht selbst gebildet werden. Bei einer nicht vegetarischen Mischkost-Ernährung sollten Sie pro Tag 30 mg/kg Körpergewicht zu sich nehmen, auf keinen Fall aber mehr als 3 g, denn dann steigt aufgrund der gerinnungshemmenden Wirkung das Risiko für Blutungen. Omega-3-Fettsäuren sind auch in Fisch und einigen Pflanzenölen, wie zum Beispiel Leinöl, enthalten. Nehmen Sie diese Lebensmittel nicht täglich ausreichend zu sich, können Sie ergänzend 1 – 2 g Fischöl oder Fischöl-Kapseln einnehmen.

Vitamin E ist ein Antioxidans, das freie Radikale fängt und unschädlich macht. Sie entstehen vermehrt bei entzündlichen Prozessen und zerstören Zellen und Nährstoffe im Körper. Gehirn und Rückenmark sind hier besonders anfällig. Die Arbeit der körpereigenen Antioxidanzien können Sie durch eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin E unterstützen. Nehmen Sie jedoch nicht mehr als 400 mg/Tag ein, um eine vermehrte Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen zu verhindern. Wenn Sie fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) oder Vitamin B6 über Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sollten Sie darauf achten, die jeweils empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten. Der Körper kann hier einen Überschuss nicht so leicht ausscheiden. Vitamin C unterstützt die antioxidative Wirkung von Vitamin E, indem es dieses reaktiviert. Da es wasserlöslich ist, wird ein Überschuss über die Nieren ausgeschieden, eine Überdosierung ist hier also unwahrscheinlich. Eine Zufuhr von bis zu 1.000 mg Vitamin C pro Tag ist unbedenklich. Nehmen Sie genügend Obst und Gemüse zu sich, sind Sie dadurch aber wahrscheinlich bereits ausreichend mit Vitamin C versorgt. Bei MS-Patienten liegt häufiger ein Mangel an Vitamin B12 vor, gerade auch nach einer hochdosierten Kortisontherapie. Ihr Arzt kann Ihren Vitamin-B12-Spiegel im Blut messen und Ihnen bei einem Mangel ein Vitamin B12-Präparat in passender Dosierung empfehlen.

Vitamin D beugt Osteoporose vor. Einige Studien legen auch eine vorbeugende Wirkung für MS nahe. Ihr Körper kann dieses Vitamin selber bilden, wenn Sie genügend Sonnenlicht ausgesetzt sind – 10 bis 30 Minuten am Tag reichen aus, selbst bei bedecktem Himmel. Sonnenschutzcreme oder eine starke Luftverschmutzung verhindern jedoch die Aufnahme der nötigen UV-B-Strahlung. Kommen Sie nicht regelmäßig an die frische Luft, ist eine zusätzliche Zufuhr von 20 µg Vitamin D pro Tag sinnvoll. Eine gesundheitlich schädliche Überdosierung liegt ab 500 – 1.000 µg/Tag vor.

Auch das Spurenelement Selen hilft beim Fang freier Radikaler, denn es ist wichtiger Bestandteil körpereigener antioxidativer Enzyme. Ein Nutzen einer zusätzlichen Einnahme von Selen bei MS ist nicht nachgewiesen. Eine Dosis von bis zu 200 µg scheint jedoch nützlich zu sein und gilt als unbedenklich. Eisenpräparate sollten Sie nur einnehmen, wenn Sie unter einem Eisenmangel leiden. Zu viel Eisen fördert Entzündungsprozesse.

 

Tipp 1: Eventuell kann für Sie auch die Einnahme von Vitamin A bzw. Beta-Carotin, Zink oder Kupfer sinnvoll sein, etwa bei einem Mangel. Besprechen Sie dies individuell mit Ihrem Arzt.

Tipp 2: Wenn Sie viele ungesättigte Fettsäuren zu sich nehmen, haben Sie einen erhöhten Vitamin-E-Bedarf.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/einfluss-der-ernaehrung-auf-den-ms-verlauf/

https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/multiple-sklerose-ernaerung/

https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/

http://dgk.de/nc/meldungen/vitamin-d-vorrate-jetzt-auffa14llen.html

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/ZulRelThemen/abgrenzung/stellungnahmen/2016-01.pdf

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60011

 

 

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