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Zeit zu zweit – Sexualität und Zärtlichkeit

06.12.2016

Für die meisten Paare ist ein erfülltes Sexualleben essenzieller Bestandteil ihrer Partnerschaft. Auch MS ist kein Grund auf das Liebesspiel zu verzichten. Im Gegenteil: Schöne Stunden zu zweit geben Zuversicht und Kraft für das Leben mit MS.

Die Familie und ganz besonders der Partner können ein wichtiger Quell an Lebensfreude sein. Dies gilt insbesondere für die „schönsten Stunden zu zweit“. Doch was, wenn dieser Quell nicht mehr so sprudelt wie früher? MS-Patienten fällt es mitunter schwerer, sexuell aktiv zu sein. Sie haben dann das Gefühl, ihr Bedürfnis nach körperlicher Liebe oder das des Partners nicht mehr so gut stillen zu können. Dann sind Sie damit nicht allein. Mindestens jeder zweite MS-Patient hat früher oder später mit sexuellen Störungen zu tun.

Dennoch fällt es vielen schwer, darüber zu reden – sei es mit dem Partner oder mit einem Arzt oder Therapeuten. Doch wie bei allen zwischenmenschlichen Beziehungen, so ist es auch beim Sex: Der erste Schritt zur Lösung von Problemen liegt darin, miteinander zu reden. Und wo Sie zu zweit nicht mehr weiter kommen, warten von dritter Seite zahlreiche Hilfsangebote auf Sie. Auch hierfür ist es wichtig, dass Sie Ihren Arzt oder einen Therapeuten auf Ihre Schwierigkeiten ansprechen. Er kann Ihnen dann genau sagen, welche therapeutischen Maßnahmen Ihnen weiterhelfen können.

Weil sexuelles Erleben auf dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Psyche beruht, sind die möglichen Ursachen für Störungen und Beeinträchtigungen des Sexuallebens sehr vielfältig.

Wenn geschädigte Nerven Impulse nicht richtig weiterleiten, können Reize, die normalerweise sexuelle Lust auslösen, an Wirksamkeit verlieren. Auch die Psyche spielt beim Sex eine Rolle. Konflikte in der Partnerschaft, Ängste, Scham – all dies kann die Stimmung trüben und dazu führen, dass auf einer oder beiden Seiten keine Lust mehr aufkommt. Hier sind Gespräche mit dem Partner oder bei Bedarf auch mit einem Therapeuten wichtig. Auch eine ansprechende, entspannte Atmosphäre kann für mehr Lust auf Sexualität sorgen. Gegen Scheidentrockenheit können Sie Gleitmittel einsetzen. Kommt es zu Empfindungsstörungen oder Scheidenkrämpfen, können Beckenboden- oder Vaginalübungen diese mindern.

Ist die Erektions- und Ejakulationsfähigkeit beeinträchtigt,  oder erschwert Muskelschwäche das Sexualleben, können Sie verschiedene mechanische Hilfsmittel einsetzen. Besprechen Sie mit Ihrem Urologen, welche dieser Hilfen Sie sicher und wirksam verwenden können. Auch einige MS-Medikamente können die Sexualfunktion stören. Wenn Sie hier Bedenken haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen.

Gelegentlich treten bei MS Blasen- und Stuhlinkontinenz-Symptome auf. Auch hier gibt es Mittel und Wege, unerwünschte Zwischenfälle beim Liebesspiel zu vermeiden, wie etwa ein vorheriges Entleeren der Blase oder das Verwenden von Analtampons.

Was immer die körperliche Liebe trübt, sprechen Sie in jedem Fall offen mit Ihrem Partner darüber. Nur so können Sie gemeinsam neue Wege finden, damit Ihnen Ihr Sexualleben wieder Freude und Befriedigung bringt. Vielleicht entdecken Sie gemeinsam neue Sexualpraktiken oder andere Formen der Intimität und Nähe. Scheuen Sie sich nicht, den Arzt Ihres Vertrauens auf Schwierigkeiten in Ihrem Liebesleben anzusprechen. Das kann Ihr Hausarzt, Neurologe, Frauenarzt oder Urologe sein. Er kann Ihnen therapeutische Möglichkeiten aufzeigen und Hilfsmittel vorschlagen.

Trotz aller verfügbaren Hilfen und Alternativpraktiken kann es vorkommen, dass hin und wieder die körperlichen Einschränkungen zu groß sind oder Ihnen die Kraft oder Energie fehlen, um sexuell aktiv zu werden. Doch auch dann können Sie schöne und intime Stunden mit Ihrem Partner verbringen. Gegenseitige zärtliche Berührungen und körperliche Nähe, wie den Partner in den Arm zu nehmen, stärken die Partnerschaft und fördern das gegenseitige Wohlbefinden.

Besprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt oder Urologen auch, ob und wie Sie am besten verhüten sollten. In der Regel beeinflusst weder die MS-Erkrankung noch die meisten MS-Medikamente die Empfängnis- bzw. Zeugungsfähigkeit negativ. Falls Sie nicht verhüten wollen, weil Sie sich Kinder wünschen, sollten sie dies vorab mit Ihrem Neurologen besprechen. Er wird die Schwangerschaft mit Ihnen gemeinsam gut planen und Ihre MS-Therapie optimal auf Ihren Kinderwunsch abstimmen. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel „Trotz MS Eltern werden“.

 

Referenzen und weiterführende Informationen:

http://www.ms-life.de/ms-wissen/was-ist-ms/krankheitszeichen/sexuelle-stoerungen/ (Zugriff: 04.11.2016)

http://www.ms-life.de/ms-service/ms-news/detail/article/wenn-sex-zur-nervensache-wird/?print=wubgpiegmttjeq&cHash=a09e206a87a27044bdb712e6a3e31d6c (Zugriff: 04.11.2016)

Broschüre der DMSG/AMSEL „Sexualität und Partnerschaft“: https://www.dmsg.de/shop/index.php?kategorie2=shopartikel&shopartcnr=48&shopartanr=64 (Zugriff: 04.11.2016)

MS international federation (MSIF): MS in focus, Ausgabe 6, 2005, „Intimität und Sexualität“: https://www.msif.org/resources/ (Zugriff: 04.11.2016)

 

 

 

 

 

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