Informationen zur Arbeitssuche mit multipler Sklerose

Arbeitslosigkeit, was nun?

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Der Verlust des Arbeitsplatzes stellt MS-Patienten oftmals vor besondere Herausforderungen. Gleiches gilt für Berufseinsteiger. Zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten können genutzt werden, um die Zeit der Arbeitslosigkeit und vor allem den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern.

Bei bestehender Arbeitslosigkeit kann bei der Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld I bzw. Arbeitslosengeld II beantragt werden. Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit weiterarbeiten zu können.

Sind Symptome einer Behinderung sichtbar, ist die Suche nach einem Arbeitsplatz aufgrund von Vorurteilen oder Unsicherheiten mitunter erschwert. Wichtig ist es deshalb, die Fördermöglichkeiten zu kennen, die sowohl für Arbeitssuchende als auch für Arbeitgeber, die Schwerbehinderte einstellen, zur Verfügung stehen.

Um sich über Berufe, Ausbildungsmöglichkeiten oder Umschulungsmöglichkeiten zu informieren, stehen Berufsinformationszentren (BIZ), Agenturen für Arbeit, Integrationsämter und viele Behindertenvereine mit Rat und Tat zur Seite.

Ist bedingt durch die Krankheit/Behinderung keine Arbeitsaufnahme mehr möglich, so muss ein Antrag auf Rente gestellt werden.

  • ArbeitslosengeldOpen or Close

    Voraussetzung für den Bezug von Arbeitslosengeld ist, dass innerhalb der letzten drei Jahre mindestens 360 Tage (12 Monate) beitragspflichtig gearbeitet wurde, das heißt, Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt wurden.

    Die Dauer der Auszahlung des Arbeitslosengeldes ist grundsätzlich auf 12 Monate begrenzt. Für die Berechnung der Höhe des Arbeitslosengeldes wird der Lohn der letzten sechs Monate herangezogen.

    Arbeitnehmer, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind bzw. einen befristeten Arbeitsvertrag haben, müssen sich drei Monate vor Vertragsablauf bei der regionalen Agentur für Arbeit melden. Gekündigte Arbeitnehmer müssen sich dort umgehend melden. Werden die Fristen nicht eingehalten, kann es zu Kürzungen des Arbeitslosengeldes kommen.

    Wer arbeitslos ist, kann trotzdem arbeiten. Umfang und mögliches Einkommen der zusätzlichen Arbeit ist mit dem Sachbearbeiter der Agentur für Arbeit zu besprechen.

    Beim Übergang vom Arbeitslosengeld I zum Arbeitslosengeld II wird für eine Übergangszeit von max. zwei Jahren ein Zuschuss gezahlt. Nach diesem Zeitraum soll das sogenannte Arbeitslosengeld II für erwerbsfähige Personen (bzw. das Sozialgeld für nicht erwerbsfähige Personen) eine Grundsicherung des Lebensunterhaltes gewährleisten.

    Das Arbeitslosengeld II wird bis zum Erreichen der Altersgrenze so lange gezahlt, wie eine Hilfebedürftigkeit vorliegt. Als hilfebedürftig gilt, wenn man den eigenen Bedarf und den seiner im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen und Partner aus eigenen Mitteln nicht oder nicht vollständig decken kann.

  • SperrfristenOpen or Close

    Wenn eine sogenannte Sperrfrist besteht, erhält der Betroffene über einen bestimmten Zeitraum kein Arbeitslosengeld ausbezahlt. Eine Sperrfrist kann verhängt werden, wenn der Arbeitnehmer zum Beispiel sein Arbeitsverhältnis selbst beendet. Sie kann auch als Folge eines Aufhebungsvertrages eintreten, da ein Aufhebungsvertrag nie gegen den Willen eines Arbeitnehmers geschlossen werden kann.

    Außerdem wird die Gesamtdauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld im Allgemeinen um ein Viertel verkürzt. Das bedeutet: Wer ohne Sperrfrist einen Anspruch auf zwölf Monate Arbeitslosengeld gehabt hätte, bekommt die Leistungen nur noch neun Monate lang.

    Gründe für eine Sperrfrist vor/während des Bezugs von Arbeitslosengeld unabhängig von der Kündigung:

    • Wenn die Frist zur frühzeitigen Arbeitsuchendmeldung nicht nachgekommen wurde.

    • Wenn eine von der Agentur für Arbeit angebotene Arbeit abgelehnt oder nicht angetreten wird.

    • Bei Weigerung, an einer Maßnahme zur beruflichen Eingliederung teilzunehmen oder die Teilnahme an einer der genannten Maßnahmen abgebrochen wird.

    • Wenn trotz Belehrung über die Rechtsfolgen die von der Agentur für Arbeit geforderten Eigenbemühungen nicht nachgewiesen werden.

    • Wenn einer Aufforderung der Agentur für Arbeit, sich zu melden oder zu einem ärztlichen oder psychologischen Untersuchungstermin zu erscheinen, trotz Belehrung über die Rechtsfolgen nicht Folge geleistet wird.

     

    Mögliche Ausnahmen für das Verhängen der Sperrfrist bestehen in den folgenden Fällen:

    Bei Kündigung durch den Arbeitnehmer

    • Es bestand nachweislich eine feste Zusage oder zumindest eine konkrete Aussicht auf eine andere Stelle, die dann jedoch zurückgezogen wurde.

    • Nachweislich begründete Berechtigung zur fristgerechten/fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer, z. B. bei wiederholt unpünktlicher oder gar ausbleibender Zahlung des Gehaltes/Lohnes oder psychisch/körperlich unzumutbaren Arbeitsbedingungen.

    • Nachweisliche Überforderung durch die Tätigkeit (ärztliches Attest notwendig).

    • Das Abwarten einer zu erwartenden oder angedrohten ordentlichen Kündigung ist unzumutbar.

    • Bildung eines gemeinsamen Haushaltes mit Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern.

    • Bildung einer Erziehungsgemeinschaft mit Lebenspartnern, um die Betreuung vorhandener Kinder zu verbessern.

     

    Bei Unterzeichnen eines Aufhebungsvertrages

    • Der Arbeitgeber drohte rechtmäßig oder unrechtmäßig mit Kündigung aus betrieblichen Gründen. (Gilt nicht bei Drohung einer verhaltensbedingten Kündigung.)

    • Der Aufhebungsvertrag darf das Arbeitsverhältnis nicht früher beenden, als es eine fristgerechte Kündigung getan hätte.

    • Das Unterzeichnen des Aufhebungsvertrages war Voraussetzung für das Erhalten einer Abfindung.

    • Die Höhe einer Abfindung sollte sich an den gesetzlichen Vorgaben orientieren. Sie sollte sich zwischen einem halben und einem viertel Monatsgehalt für jedes Jahr des Arbeitsverhältnisses bewegen. (Ein deutlich höherer Betrag ist jedoch kein Grund für das Eintreten einer Sperrfrist.)

     

    Bei Vergleich nach Klage

    • Wurde gegen die Kündigung geklagt und ein Vergleich mit Abfindung geschlossen, tritt keine Sperrfrist ein, sofern im Vergleich eine Kündigung mit betrieblichen Gründen erklärt wurde.

     

    Sperrfrist bei Kündigung durch Arbeitgeber

    • Bei Kündigung durch Fehlverhalten kann eine Sperrfrist angeordnet werden, da hier die Arbeitslosigkeit grob fahrlässig herbeigeführt wurde. (Beispiele: Trunkenheit am Arbeitsplatz, tätlicher Angriff gegen Kunden, Mitarbeiter, Kollegen oder Vorgesetzte, Unterschlagung von Geldern oder Materialien etc.)
  • Hilfestellungen auf dem Weg (zurück) ins BerufslebenOpen or Close

    Bei den Agenturen für Arbeit kümmern sich speziell qualifizierte Beratungskräfte (Reha-Teams) darum, behinderten Menschen die Teilnahme am Arbeitsleben zu ermöglichen. Die Berater können die Fachdienste der Agentur für Arbeit hinzuziehen: den Ärztlichen Dienst, Psychologischen Dienst und Technischen Beratungsdienst. Gegebenenfalls können, mit Einverständnis des Betroffenen, auch bereits erstellte Gutachten anderer Stellen herangezogen werden.

    Die Bildungsmaßnahmen werden in Betrieben, überbetrieblichen Bildungseinrichtungen oder in besonderen Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt.

    Teilnehmer an einer Bildungsmaßnahme erhalten Leistungen zur Absicherung ihres Lebensunterhaltes und die Kosten, die durch die Maßnahme selbst anfallen, erstattet. Auch anfallende Reisekosten werden im Allgemeinen erstattet.

  • Ärztlicher Dienst hilft bei der BerufswahlOpen or Close

    Der Ärztliche Dienst der Agentur für Arbeit hilft bei der Berufswahl. Hier werden der gesundheitliche und körperliche Zustand des Betroffenen untersucht und die beruflichen Voraussetzungen geklärt.

    Den Behinderten und Schwerbehinderten stehen speziell ausgebildete Berufsberater zur Seite. Sie beraten hinsichtlich der Vermittlung eines Arbeitsplatzes sowie der Orientierung und Förderung von Menschen. Auch für die Vermittlung von Umschulungsmaßnahmen bei einer Behinderung und für Fragen der Rehabilitation sind sie zuständig.
     
    Ärztliche Fachdienste übernehmen in Reha-Einrichtungen die Aufgabe, die berufliche Rehabilitation medizinisch zu begleiten und zu fördern.

    Eine medizinische Untersuchung beim Ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit und damit die Erstellung eines Gutachtens erfolgt nur mit dem Einverständnis des Ratsuchenden. Allerdings ist dieses Gutachten zwingend notwendig für die Bewilligung von Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation wie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, besondere Ausbildungsregelungen für Behinderte, Vermittlung in eine Werkstatt für Behinderte, Berufsausbildung in Reha-Einrichtungen und Ähnlichem.

Aktuelle Informationen zum Arbeitslosengeld und zum Beratungs- und Vermittlungsangebot finden Sie auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.