Berufstätigkeit - auch mit multipler Sklerose

Berufstätig trotz MS

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Zwei Drittel der MS-Patienten können bis zur normalen Altersrente weiterarbeiten, oftmals sogar in ihrem normalen Beruf. Zahlreiche gesetzliche Regelungen erleichtern die Fortsetzung oder Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit.

Auch wenn der ursprüngliche Arbeitsplatz nicht mehr geeignet ist, bedeutet das in der Regel nicht das Ende für die Berufstätigkeit eines MS-Patienten. Oft reicht ein Wechsel innerhalb eines Unternehmens. Dabei helfen Umschulungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen.

 

 

Keine Auskunftspflicht gegenüber dem Arbeitgeber

Niemand ist dazu verpflichtet, seinen Arbeitgeber von sich aus über eine Erkrankung (Ausnahme: ansteckende, meldepflichtige Krankheiten) oder eine eventuelle Schwerbehinderung, die im Verlauf des bestehenden Arbeitsverhältnisses auftritt, zu informieren.

Für manche Berufe gelten dabei jedoch Ausnahmeregelungen. Sie betreffen Tätigkeiten, bei der bestimmte, krankheitsbedingte Einschränkungen oder Behinderungen für den Betroffenen selbst oder für andere zur Gefahr werden können.

Wer auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz ist, muss dieses Thema ebenfalls nicht aktiv von sich aus ansprechen, wenn die Behinderung keine Auswirkung auf die angestrebte Tätigkeit hat. Allerdings darf der Arbeitgeber einen Bewerber nach bestehenden Behinderungen fragen und der Arbeitnehmer muss wahrheitsgemäß Auskunft geben.

Verpflichtet die Situation nicht zu einer solchen Auskunft, müssen MS-Patienten selbst entscheiden, ob eine etwaige Schwerbehinderung dem Arbeitgeber mitgeteilt wird oder nicht.

  • Besondere Rechte von schwerbehinderten ArbeitnehmernOpen or Close
    • Überstunden: Schwerbehinderte müssen keine Überstunden leisten, wenn sie nicht mit der Mehrarbeit einverstanden sind
    • Urlaub: Schwerbehinderte haben pro Jahr Anspruch auf fünf zusätzliche Urlaubstage
    • Kündigung: Schwerbehinderte genießen besonderen Kündigungsschutz
    • Arbeitsleistung: Der Schwerbehinderte muss so effektiv beschäftigt werden, dass seine Kenntnisse und Fähigkeiten voll genutzt werden. Bei der Förderung seines beruflichen Fortkommens muss er bevorzugt berücksichtigt werden
    • Parkplatz: Unter Umständen kann ein Parkplatz auf öffentlichen Verkehrsflächen beantragt werden
  • Behindertengerechter ArbeitsplatzOpen or Close

    Arbeitgeber, die mindestens 20 Personen beschäftigen, sind gesetzlich verpflichtet, Behinderte und Schwerbehinderte einzustellen. Bei Neueinstellungen muss der Arbeitgeber prüfen, ob der freie Arbeitsplatz durch einen behinderten Menschen besetzt werden kann.
    Sollte eine Behinderung während eines bestehenden Beschäftigungsverhältnisses entstehen und dazu führen, dass die aktuelle Tätigkeit nicht mehr ausgeführt werden kann, dann muss ein Arbeitsplatz gefunden werden, an dem der Beschäftigte sich entsprechend seiner Fähigkeiten einbringen kann.

    Der Schwerbehinderte ist so zu beschäftigen, dass Fähigkeiten und Kenntnisse möglichst voll verwertet und weiterentwickelt werden können - zum Beispiel durch einen behindertengerechten Arbeitsplatz. Damit werden Belastungen abgebaut und weitere gesundheitliche Schäden vermieden.

    Arbeitgeber werden bei der Einrichtung und Gestaltung von behindertengerechten Arbeitsplätzen finanziell und mit Know-How unterstützt, beispielsweise durch das Integrationsamt oder die Agentur für Arbeit.

  • Wechsel des Arbeitsplatzes sinnvoll?Open or Close

    Steht die Diagnose Multiple Sklerose fest, fragen sich viele Betroffene, ob sie ihren Beruf weiter ausüben können. Bei jungen Menschen, die am Anfang ihres Berufsweges stehen, stellt sich die Frage, welchen Beruf sie ergreifen können.

    Die Beantwortung dieser Fragen hängt für jeden Einzelnen auch vom Verlauf der Krankheit ab. Generell hängt die Weiterbeschäftigung oder Aufnahme eines Berufes von der Schwere der möglichen Behinderung und auch von der Art der Tätigkeit ab.
     
    Für Menschen mit MS empfiehlt sich ein Arbeitsplatz, der sie körperlich und psychisch nicht extrem belastet. Unter solchen Umständen können viele der MS-Patienten ihrer Arbeit weiter nachgehen, oft jahrzehntelang und ohne Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit.

    Ist der ausgeübte Beruf körperlich sehr anstrengend oder bemerkt der MS-Patient Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit oder eine schnellere Ermüdung, ist es sinnvoll, über einen Wechsel des Arbeitsplatzes oder des Berufes nachzudenken.
     
    Auf jeden Fall sollte bei der Ausübung des Berufes darauf geachtet werden, „gesundheitsschonend“ zu arbeiten, zum Beispiel durch Stressvermeidung, Ruhepausen, Vermeidung von großer Wärme.

  • Begleitende Hilfe im ArbeitslebenOpen or Close

    Das Integrationsamt bietet bestimmte Hilfestellungen an, die eine soziale Benachteiligung behinderter Menschen verhindern und eine Förderung entsprechend ihrer Fähigkeiten gewährleisten sollen.

  • KündigungsschutzOpen or Close

    Schwerbehinderte (ab einem Grad der Behinderung von 50) und Gleichgestellte genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Voraussetzung ist, dass das Arbeitsverhältnis bei Kündigung länger als sechs Monate bestand.

    Im Rahmen dieses besonderen Kündigungsschutzes muss das Integrationsamt einer Kündigung zustimmen. Hat das Amt die Zustimmung erteilt, muss der Arbeitgeber vor der Kündigung den Betriebsrat und die Schwerbehindertenvertretung anhören. Erst nach Zustimmung aller genannten Stellen darf eine Kündigung ausgesprochen werden. Dieser zusätzliche Schutz gilt bereits zum Zeitpunkt der Abgabe eines Antrags auf Anerkennung eines Behinderungsgrades (formloser Antrag).

    Hat der Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Kündigung keine Kenntnis davon, dass der von ihm gekündigte Arbeitnehmer anerkannt schwerbehindert ist oder diese Feststellung beim Versorgungsamt beantragt hat, dann muss der Arbeitnehmer dies dem Arbeitgeber innerhalb eines Monats mitteilen. Andernfalls macht die fehlende Zustimmung des Integrationsamtes die Kündigung nicht unwirksam.

    Haben Integrationsamt, Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung der Kündigung zugestimmt, kann der Mitarbeiter Widerspruch gegen die Kündigung einlegen. Wird der Widerspruch abgelehnt, kann eine Anfechtungsklage erhoben werden. Solange über die Klage nicht rechtmäßig entschieden ist, ist die Kündigung nicht rechtswirksam. Darf der Arbeitgeber im nächsten Schritt eine Kündigung aussprechen, kann der Arbeitnehmer eine Kündigungsschutzklage erheben. Eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht ist auch notwendig, wenn das Integrationsamt der Kündigung nicht zugestimmt hat. Innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung muss die Klage erhoben werden.

    Der beschriebene, besondere Kündigungsschutz bezieht sich nur auf Entlassungsgründe, die mit der Behinderung des Mitarbeiters in Zusammenhang stehen. Ansonsten sind behinderte Arbeitnehmer in vergleichbarem Umfang von Entlassungen und Arbeitslosigkeit bedroht wie ihre gesunden Kollegen. Beispiele für ordentliche Kündigungsgründe sind: Unfreundlichkeit gegenüber Kunden, Arbeitsverweigerung, mangelnde Teamfähigkeit oder Straftaten (Verhaltensbedingte Kündigung).

    Kündigungen sind zustimmungsfrei möglich, wenn der schwerbehinderte Arbeitnehmer selbst kündigt oder ein einvernehmlicher Aufhebungsvertrag geschlossen wurde. Gleiches gilt, sofern das Arbeitsverhältnis noch keine 6 Monate bestand oder das Arbeitsverhältnis befristet war.

  • Die SchwerbehindertenvertretungOpen or Close

    In Betrieben und Dienststellen, in denen wenigstens 5 schwerbehinderte Menschen (oder Gleichgestellte) nicht nur vorübergehend beschäftigt sind, kann eine Vertrauensperson und mindestens ein Stellvertreter gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle im Betrieb beschäftigten Schwerbehinderten und Gleichgestellten.

    Die Schwerbehindertenvertretung fördert die Eingliederung schwerbehinderter Menschen in den Betrieb oder die Dienststelle, vertritt ihre Interessen und steht ihnen beratend zur Seite.

    Die Vertrauenspersonen führen ihr Amt unentgeltlich als Ehrenamt und besitzen gegenüber dem Arbeitgeber die gleiche persönliche Rechtsstellung, insbesondere den gleichen Kündigungs-, Versetzungs- und Abordnungsschutz wie ein Mitglied des Betriebsrats.