Die Rehabilitation von Patienten mit multipler Sklerose

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Rehabilitation für MS-Patienten

Der Begriff Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen, die notwendig sind, um den ursprünglichen, körperlichen und geistigen Gesundheitszustand mit der vollen Leistungsfähigkeit eines Patienten wiederzuerlangen und auf Dauer zu erhalten.

Die Reha-Maßnahmen werden in vier Bereiche untergliedert:

  • medizinische Rehabilitation
  • berufliche Rehabilitation
  • soziale Rehabilitation
  • ergänzende Leistungen

Kostenträger ist meist der Rentenversicherungsträger, ggf. aber auch die Krankenversicherung bzw. sekundäre Leistungsträger (Sozialamt).

  • Ganzheitliche RehabilitationOpen or Close

    Das Konzept der Reha-Maßnahmen setzt sich wie folgt zusammen:

    • Funktionsdiagnostik: Hier wird die Belastbarkeit des Patienten untersucht.
    • Behandlung im Reha-Team: Der Patient wird von einem Team verschiedener Berufsgruppen wie Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern, Diätassistenten, Sporttherapeuten und Physiotherapeuten entsprechend seiner Problematik betreut.
    • Hilfe zur Selbsthilfe: Sie umfasst Beratung, Schulung, Hilfsmittel, Selbstkontrolle, Verhaltensänderung.
    • Gesundheitsförderung und Prävention: Den Patienten werden Tipps und Hintergrundwissen über gesunde Ernährung oder den allgemeinen Umgang mit einer chronischen Krankheit vermittelt.
    • Schaffen einer gesundheitsförderlichen Atmosphäre während der Reha-Maßnahme


    Dieses ganzheitliche Prinzip soll den Patienten nicht nur medizinisch „wieder herstellen", sondern er soll anschließend auch fähig sein, im Alltag und Beruf besser zurecht zu kommen. Die Maßnahmen sollen die Erkrankten befähigen, gesundheitliche Rückschläge zu vermeiden.

  • Träger der Reha-MaßnahmenOpen or Close

    Als Träger für die Kosten der medizinischen Maßnahmen der Rehabilitation kommen eine Vielzahl von Institutionen in Frage, beispielsweise die Krankenversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, die gesetzliche Unfallversicherung.
     
    Den größten Anteil der Kosten für die medizinische Rehabilitation trägt die Rentenversicherung. Denn laut Gesetz hat die Rehabilitation Vorrang vor der Rente. Durch Reha-Leistungen sollen Frühberentungen vermieden werden.

    Die berufliche Rehabilitation wird getragen durch die Arbeitsverwaltung, Rentenversicherung sowie die Unfallversicherung.

    Die berufliche Rehabilitation (neuerdings umbenannt in „Teilhabe am Arbeitsleben“) bietet eine breite Palette von Hilfen zum Erhalt des Arbeitsplatzes oder zur beruflichen Integration.

  • Wann ist welcher Träger zuständig?Open or Close

    In den folgenden Fällen ist die Rentenversicherung für die Übernahme der Reha-Kosten zuständig:

    • die Erwerbsfähigkeit ist durch Krankheit gefährdet
    • der Patient kann die Belastung der Rehabilitation durchstehen
    • der Patient ist bereit, an den Reha-Maßnahmen mitzuwirken
    • eine Frührente kann vermieden werden


    Wenn die Reha-Maßnahmen nicht durchgeführt werden, um den Patienten wieder ins Berufsleben einzugliedern, und auch nicht um die Frührente zu vermeiden, trägt die Krankenversicherung die Kosten.

    Bei den Leistungen für Reha-Maßnahmen der Krankenversicherung und Rentenversicherung gibt es Überschneidungen. Teilweise werden von den Renten- und Krankenversicherungen auch die gleichen Reha-Einrichtungen belegt.

  • Leistungen der Rentenversicherung im Rahmen der medizinischen RehabilitationOpen or Close
    • Anschlussrehabilitation (AHB, Anschluss-Heilbehandlung) nach akuter schwerer Krankheit
    • Allgemeine Heilbehandlungen (bei allen chronischen Krankheiten, die durch Rehabilitation günstig beeinflusst werden können)
    • Psychosomatische Rehabilitation
    • Präventionsmaßnahmen bei besonders gesundheitsgefährdenden, die Erwerbsfähigkeit ungünstig beeinflussenden Beschäftigungen
    • Kinderheilbehandlungen
    • zeitlich begrenzte Kostenübernahme für Rehabilitationssport
    • nachgehende Leistungen zur Sicherung des Reha-Erfolges (z. B. Krankengymnastik für einen befristeten Zeitraum nach einer Reha-Maßnahme)
  • Beantragung einer RehabilitationOpen or Close

    Anträge für eine Rehabilitation können bei allen Reha-Trägern gestellt werden (z. B. Krankenkassen, Rentenversicherungsträger), bei Auskunfts- und Beratungsstellen sowie bei Orts- und Gemeindebehörden. Ein ärztliches Attest muss für den Antrag nicht zwingend vorliegen.

    Der Reha-Träger fordert Befundberichte der behandelnden Ärzte an und/oder begutachtet selbst den Patienten medizinisch.

    Die Verwaltung prüft die Leistungsvoraussetzungen und schickt den Bescheid (Ablehnung oder Anerkennung) an den Versicherten. Die geeignete Klinik wird anhand der medizinischen Unterlagen vom Reha-Träger ausgewählt. Die Klinik informiert den Reha-Antragsteller über den Beginn der Rehabilitation und spezifische Einzelheiten. Bei einem Ablehnungsbescheid kann der Versicherte innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen.
     
    Die Reha-Maßnahmen können stationär oder ambulant (teilstationär) durchgeführt werden. Möglich ist auch eine flexible Rehabilitation. Sie beginnt meist stationär (für 1 - 2 Wochen), wird anschließend ambulant (teilstationär) fortgeführt und später bei Bedarf durch  intensivierte Nachsorge der als arbeitsunfähig entlassenen Patienten ergänzt.

  • Patient und RehabilitationOpen or Close

    Eine Rehabilitation ist insbesondere dann erfolgversprechend, wenn der Patient einen starken Genesungswillen hat und bereit ist, durch aktive Mitarbeit und Verhaltensänderungen die Therapie umzusetzen. Eine Therapie ist hingegen wenig effektiv, wenn sie vom Betroffenen nicht gewollt ist oder nicht mit entsprechendem Einsatz durchgeführt wird.

    Sehr wichtig ist auch die Unterstützung aus dem Umfeld (Familie, Freunde), und zwar umso mehr, je geringer die Motivation des Patienten ist.

Aktuelle Informationen zu Rehabilitationsmaßnahmen finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit unter dem Stichwort Rehabilitation.