Geschichte – Die Entdeckung der Multiplen Sklerose

Da das Nervensystem erst 1824 entdeckt wurde, konnten die Mediziner früherer Zeiten die Krankheit MS als solche kaum feststellen. Kaum hatte man das Nervensystem kennengelernt, fand das Krankheitsbild der MS Eingang in die Medizingeschichte.

1835 beschrieb der französische Mediziner Jean Cruveilhier (1791-1873) in seinem pathologisch-anatomischen Atlas einen „sonderbaren Krankheitsbefund am Rückenmark".

Ihm folgte drei Jahre später der englische Pathologe Robert Carswell (1793-1857), der die verhärteten Rückenmarksherde als Flecken oder Inseln bezeichnete.

1849 stellte der deutsche Internist Friedrich Theodor von Frerichs (1819-1885) erstmals die Diagnose bei einem lebenden Patienten.
 
1868 zeigte als erster der französische Arzt Jean Martin Charcot (1825-1893) der Welt das typische Krankheitsbild und den Verlauf der MS auf.

Ein Meilenstein in der MS-Forschung wurde 1891 erreicht, als die Lumbalpunktion als Diagnose-Methode eingeführt wurde.

Weitere Meilensteine der modernen MS-Diagnostik waren die Erfindung der Computertomografie (CT) in den 70er Jahren, die erste Bilder von größeren MS-Läsionen lieferte, die Einführung der Messung der evozierten Potentiale 1972 und die Entwicklung der Kernspintomografie 1981, mit der sich Gewebeveränderungen und damit der Verlauf der MS sichtbar machen lassen. Dennoch gibt es bis heute keine Methode, die für sich allein genommen in der Lage wäre, eine eindeutige Diagnose oder einen direkten Nachweis der Erkrankung zu ermöglichen.

Neben der modernen Diagnostik brachte im 20. Jahrhundert auch die Entwicklung neuer Medikamente große Fortschritte in der Behandlung der MS. Seit den 90er Jahren werden Beta-Interferone und Glatirameracetat erfolgreich als Langzeittherapie bei der schubförmig verlaufenden MS eingesetzt.