Gleichgewichtsstörungen

Zunächst machen sich die Störungen häufig nur als Ungeschicklichkeit der Arme und Beine bemerkbar. In der Folge kann es zu Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten, Schwindel, unkoordinierten Bewegungen oder Problemen mit dem Gehen kommen. Unwillkürliche Zitterbewegungen von Händen, Füßen oder Kopf können den Alltag weiter erschweren.

  • SchwindelOpen or Close

    Als Schwindel wird oft eine Vielzahl von Symptomen bezeichnet, zum Beispiel leichte Koordinationsstörungen, Doppelbilder oder Kopfschmerzen, Ohnmachtsgefühle und Schwankungen.
     
    MS-Patienten erfahren häufig auch ein echtes Schwindelgefühl, d. h. ein Drehgefühl und Gleichgewichtsstörungen. Vereinzelt können ungewöhnliche Schwindelanfälle auftreten, bei denen die Patienten plötzlich ihre Umwelt schief oder verzerrt wahrnehmen. Dieses „Schiefsehen" geht oft mit Übelkeit einher.

  • BewegungsstörungenOpen or Close

    Es gibt unterschiedliche Formen von Bewegungsstörungen, die häufig symmetrisch an den Gliedmaßen auftreten und auf eine fehlerhafte Koordination zurückzuführen sind:

    • Die Ataxie beschreibt die Störung der Koordination von Bewegungsabläufen, bei der vor allem das Zusammenspiel der Arme und Beine beeinträchtigt ist. Sie tritt häufig zunächst nur bei geschlossenen Augen auf, also beim Fehlen der visuellen Kontrolle.

    • Der Tremor bezeichnet unwillkürliche Zitterbewegungen von Händen, Armen, Beinen oder Kopf. Man unterscheidet verschiedene Tremorarten, abhängig vom Zeitpunkt des Auftretens: in Ruhe, bei der Durchführung bestimmter Aktivitäten oder kurz vor Erreichen eines bestimmten Ziels (Intentionstremor). Bei der MS tritt der Intentionstremor besonders häufig auf.

    • Liegt eine Dysmetrie vor, sind gezielte Bewegungen erschwert. So gelingt es beispielsweise nicht mehr, einen Gegenstand gezielt zu greifen oder einen Faden durch das Nadelöhr zu fädeln.
  • Unsicherheit beim GehenOpen or Close

    Die Gangunsicherheit kann sich aus verschiedenen, für die MS typischen Symptomen ergeben. Hierzu gehören Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen, aber auch Kraftminderungen, etwa durch Muskellähmung (Parese) oder -steifigkeit (Spastik).

    Darüber hinaus können MS-bedingte Entzündungsherde auch Gefühlsstörungen auslösen (Verminderung der Tiefensensibilität) und die Kontrolle der Gelenke verschlechtern. Es entsteht das Gefühl, wie auf Sand oder Watte zu gehen, der Gang wird unsicher, ausfahrend und breitbeinig.
     
    Liegt demgegenüber eine Gleichgewichtsstörung zu Grunde, ist der Gang eher schwankend. Auch die häufig auftretenden Sehstörungen vermindern die Gangsicherheit.

    Mit einer medikamentösen Therapie, die es seit 2011 gibt, steht MS-Patienten erstmals ein Wirkstoff zur gezielten Verbesserung der Gehfähigkeit zur Verfügung.