Axon und Myelin – die hauptsächlich betroffenen Strukturen bei MS

Aufbau und Funktion der Nervenzelle

Jede einzelne Nervenzelle unseres Organismus steht mit unzähligen anderen Nervenzellen in Verbindung – hauptsächlich durch die langen Fortsätze, die Axone. Daneben gehen vom Nervenzellkörper noch weitere, wesentlich kürzere Fortsätze ab, die Dendriten. Sie dienen ebenso der Kommunikation zwischen den Nervenzellen und der Übermittlung elektrischer Impulse. Ähnlich einer „Antenne“ empfangen sie diese vom Axon der ihnen jeweils vorgeschalteten Nervenzelle.

Die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen werden als Synapsen  bezeichnet. Über das Axon eintreffende elektrische Impulse lösen an den Synapsen die Ausschüttung von Transmittersubstanzen aus. Das sind spezielle Eiweiße, die nun an der folgenden Nervenzelle den nächsten elektrischen Impuls zur Weiterleitung der Information auslösen. Die Axone sind von einer Isolierschicht umgeben, der Mark- oder Myelinscheide. Erst durch diese Myelinschicht werden die hohen Leitungsgeschwindigkeiten der Nerven möglich. Bei einer MS-Erkrankung ist diese Myelinschicht geschädigt.

Die Einheit von Nervenzellkörper, Axon, Dendriten und der Myelinschicht wird als Nervenzelle oder -faser bezeichnet.

Nervenfaser: Intakte Myelinhülle gegen Geschädigte Myelinhülle
© schmid:heilig/Biogen

Folgen der Entzündung an der Myelinschicht

An den Myelinscheiden der Nervenfasern finden bei der MS Entzündungsreaktionen statt. Sie werden von aktivierten Immunzellen angegriffen und teilweise zerstört. Darauf folgt der Abbau der Myelinschicht. Diesen Vorgang nennt man Demyelinisierung oder Entmarkung.
Dadurch wird die Übermittlung der Signale an den betroffenen Stellen erschwert. Im Krankheitsverlauf kommt es zu einer mehr oder minder vollständigen Regeneration (Remyelinisierung). Je nach Ausmaß ist die Funktionstüchtigkeit wiederhergestellt und die Weiterleitung der Impulse kompensiert.

Folgen Entzündung, Demyelinisierung und Remyelinisierung im Verlauf der Erkrankung jedoch immer wieder in kurzen Abständen aufeinander, dann wird die Myelinschicht mit der Zeit deutlich ausgedünnt. Die Weiterleitung der elektrischen Impulse ist in den betroffenen Nervenfasern dauerhaft gestört. Diese Prozesse führen auch zur Schädigung des Axons.