Antikörper in der Therapie von multipler Sklerose

Antikörper sind wichtige, natürliche Bestandteile des Immunsystems, die sich gezielt an Eindringlinge im Organismus binden und damit deren Zerstörung einleiten. Sie spielen auch bei der MS-Therapie eine wichtige Rolle. So kommen biotechnologisch erzeugte monoklonale Antikörper als hochwirksame Medikamente zum Einsatz. Körpereigene Antikörper können allerdings auch unerwünschte Effekte haben, zum Beispiel die Minderung der Medikamentenwirkung.

  • Antikörper in der ImmunabwehrOpen or Close

    Antikörper werden von speziellen aktivierten Abwehrzellen produziert. Sie ähneln in ihrer Form einem Y. Die beiden kurzen „Arme“ binden hochspezifisch und passgenau nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an bestimmte Bereiche auf der Oberfläche eines Eindringlings (Viren, Bakterien etc.), der die Aktivierung des Immunsystems ausgelöst hat. Auf diese Weise markieren sie den Krankheitskeim und leiten mit ihrem längeren „Arm“ seine Zerstörung oder Inaktivierung und die Bekämpfung durch Fresszellen ein.

  • Antikörper als moderne TherapeutikaOpen or Close

    Die hochspezifische Bindung der Antikörper an bestimmte Strukturen wird zunehmend bei modernen Therapien genutzt, weil sie eine sehr gezielte Wirkung im Organismus ermöglicht. Dank biotechnologischer Methoden ist es gelungen, sogenannte monoklonale Antikörper herzustellen.

    Für Patienten mit schubförmig verlaufender MS, deren Erkrankung trotz Behandlung mit Interferon beta oder Glatirameracetat hochaktiv ist oder deren Erkrankung rasch fortschreitet, steht mit Natalizumab ein monoklonaler Antikörper zur Verfügung, der an bestimmte Oberflächenproteine von aktivierten T-Zellen bindet, die bei MS „irrtümlich“ Nervenstrukturen im Gehirn attackieren. Dadurch können die T-Zellen nicht mehr aus dem Blut ins Gehirn gelangen und daher auch nicht mehr die Hülle der Nervenfasern zerstören.

    Alemtuzumab ist ein weiterer monoklonaler Antikörper für die Therapie von Patienten mit aktiver schubförmig verlaufender MS. Er bindet spezifisch an bestimmte Oberflächenproteine von B- und T-Zellen und bekämpft diese Zellen, die an der Entstehung der MS beteiligt sind. Nach der Anwendung von Alemtuzumab ist zunächst eine Abnahme und anschließend eine Neubildung von B- und T-Zellen im Blut zu beobachten.

  • Neutralisierende Antikörper in der Interferon-TherapieOpen or Close

    Der Einsatz von Interferon beta stellte einen Durchbruch in der Behandlung der MS dar. Das körpereigene Eiweiß spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und kann mit biotechnologischen Methoden für die MS-Therapie hergestellt werden. Die derzeit auf dem Markt erhältlichen Präparate (Interferon beta-1a intramuskulär, Interferon beta-1a subkutan, Interferon beta-1b subkutan, Peginterferon beta-1a subkutan) sind alle für die Behandlung der schubförmig verlaufenden MS zugelassen.

    Ähnlich wie andere biologische Medikamente können auch die Interferone eine Abwehrreaktion des Körpers auslösen. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass das Immunsystem das therapeutische Eiweiß als fremd erkennt und darauf mit der Bildung von Antikörpern reagiert.

    Einige dieser Antikörper sind sogenannte „Neutralisierende Antikörper“ (NAbs, Abkürzung für Neutralizing Antibodies): Sie setzen sich auf der Oberfläche des Medikamentes fest und beeinträchtigen (neutralisieren) daher dessen Wirksamkeit.

  • Unterschiedliche Immunogenität bei den Interferon beta-PräparatenOpen or Close

    Mit dem Begriff „Immunogenität“ bezeichnet man das Ausmaß, mit dem das Immunsystem auf einen Wirkstoff reagiert. Es gibt Hinweise, dass sich die Interferon beta-Präparate in ihrer Immunogenität deutlich unterscheiden, was einen Einfluss auf die langfristige Wirksamkeit hat.