Monoklonale Antikörper

Wie wirken monoklonale Antikörper?


Biotechnologisch hergestellte monoklonale Antikörper stellen bei der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) einen großen therapeutischen Fortschritt dar. Monoklonale Antikörper binden hochspezifisch, d. h., sie richten sich gegen bestimmte Oberflächenstrukturen von Molekülen. Da monoklonale Antikörper aus einer Zelle stammen, sind sie strukturell identisch und verfügen immer über genau die gleiche Bindungsstelle für ein Molekül. Polyklonale Antikörper stammen aus mehreren Zellen und sind somit nicht identisch. Sie haben die Fähigkeit, an unterschiedlichen Oberflächenstrukturen anzubinden. Dieses breite Bindungsspektrum wird für Impfstoffe genutzt, da es in diesem Fall von Vorteil ist, wenn die Antikörper auch dann wirken, wenn sich die Oberfläche geringfügig verändert. In der Therapie ist das breite Bindungsspektrum polyklonaler Antikörper jedoch ein Nachteil, weil es auch die Bindung an Moleküle ähnlicher Oberflächen erlaubt. So sind Kreuzreaktionen möglich, die nicht beabsichtigt sind. Wegen ihrer hochspezifischen Wirkungsweise werden in der MS-Therapie monoklonale Antikörper zielgerichtet eingesetzt.

  • Schutzmaßnahmen des ImmunsystemsOpen or Close

    Wenn das menschliche Immunsystem in Aktion tritt, bewegen sich Leukozyten (auch Immunzellen oder weiße Blutkörperchen genannt) durch den Körper. Sobald sie auf Eindringlinge wie Bakterien oder Viren treffen, setzen die Leukozyten gezielte Schutzmaßnahmen gegen den Eindringling in Gang. Nach ihrer Aktivierung bilden die Leukozyten spezielle Moleküle auf der Zelloberfläche aus, die Integrine genannt werden, um an den Ort der Entzündung zu gelangen. Bestimmte Moleküle an der Blutgefäßinnenwand binden sich an die Integrine und können damit –  vereinfacht dargestellt –  die im Blut „vorbeischwimmenden“ aktivierten Leukozyten „festhalten“. Daraufhin verändern die Leukozyten ihre Form und gelangen durch die Wand der Blutgefäße in das entzündete Gewebe. Hier vermehren sie sich und schütten eine Vielzahl von Botenstoffen aus, die schließlich dazu führen, dass der Eindringling zerstört wird.

  • MS greift körpereigene Strukturen anOpen or Close

    Bei der MS handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der die an sich nützliche Immunantwort gegen körpereigene Strukturen, nämlich die Schutzhülle (Myelin) von Nervenfasern, gerichtet ist. Die genauen Ursachen für diesen fehlgeleiteten Angriff sind bis heute nicht geklärt. Um das Myelin als Zielobjekt im zentralen Nervensystem (ZNS) zu erreichen, müssen die aktivierten Leukozyten die sogenannte Blut-Hirn-Schranke passieren.

    Die dabei entstehenden Entzündungsreaktionen im zentralen Nervensystem zerstören allmählich die Myelinschicht und letztlich die Nervenfasern. Aufgrund der dann schlechteren „Isolierung“  der Nervenfasern kommt es zur Beeinträchtigung der Nervenfunktionen. Die Folge sind MS-typische Symptome wie Seh-, Gang- oder Gefühlsstörungen.

  • Monoklonale Antikörper mindern Entzündungen im GehirnOpen or Close

    Bei der Entstehung der MS spielen also aktivierte Immunzellen (auch Leukozyten oder weiße Blutkörperchen genannt) eine zentrale Rolle. Mit einem monoklonalen Antikörper wie zum Beispiel Natalizumab gelingt es, die Wanderung der Leukozyten durch die Blut-Hirn-Schranke ins zentrale Nervensystem zu behindern.

    Der monoklonale Antikörper Natalizumab wirkt direkt an dem Ort, an dem die fehlgesteuerten Immunzellen aus dem Blutkreislauf in das Gehirn übertreten (Blut-Hirn-Schranke). Er verhindert, dass diese Immunzellen in Gehirn und Rückenmark gelangen und dort Entzündungen verursachen können. Natalizumab wirkt der Entzündungsreaktion im Gehirn auch dann entgegen, wenn bereits einzelne aktivierte Leukozyten die Blut-Hirn-Schranke übertreten haben.

    Auch Alemtuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der in der Therapie der MS zum Einsatz kommt. Er wirkt regulierend auf das Immunsystem, indem er Immunzellen (B- und T-Zellen), die an der Zerstörung der Myelinscheide beteiligt sind, bekämpft.

  • Frühe effektive Therapie schützt vor der Zunahme von BehinderungenOpen or Close

    Um Langzeitfolgen zu vermeiden, ist der rechtzeitige Einsatz einer effektiven Therapie wichtig. Denn wenn die MS aktiv ist, entwickeln sich im Gehirn oder Rückenmark entzündliche Herde (Plaques), die Schübe auslösen können. Zu Beginn der Erkrankung bilden sich die Symptome nach einem Schub oft vollständig zurück. Mit jedem neuen Schub steigt jedoch die Gefahr, dass eine Behinderung zurückbleibt. Bei MS-Patienten mit hochaktivem Krankheitsverlauf können trotz verlaufsmodifizierender Therapie weiterhin Schübe auftreten. Die antientzündliche Behandlung reicht nicht mehr aus, um vor weiteren Behinderungen zu schützen. In diesem Fall sollte frühzeitig eine hochwirksame Behandlung, wie beispielsweise die Infusionstherapie mit einem monoklonalen Antikörper, in Erwägung gezogen werden.

    Die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern ist eine sehr wirksame Therapieoption für MS-Patienten mit hochaktivem Krankheitsverlauf. Sie ist inzwischen fest in das Therapieschema der MS integriert.

  • Zuverlässiger Antikörpernachweis liefert wichtige Informationen für die TherapieentscheidungOpen or Close

    Da Medikamente wie der monoklonale Antikörper Natalizumab in das Immunsystem eingreifen, um effektiv gegen die Entzündung zu wirken, kann sich in vereinzelten Fällen eine seltene Infektion des Gehirns, die Progressive
    Multifokale Leukenzephalopathie (PML), entwickeln. Eine Infektion mit dem sogenannten John-Cunningham-Virus (JCV) gilt als Voraussetzung für diese Erkrankung. Aus diesem Grund wurde ein Test entwickelt, der zuverlässig JCV-Antikörper im Blut nachweisen kann. Das Testergebnis gilt als „negativ“, wenn die Blutprobe keine JCV-Antikörper enthält. Bei negativem Ergebnis besteht ein sehr geringes Risiko, eine PML zu entwickeln. Aktuelle Studien belegen, dass etwa die Hälfte aller MS-Patienten einen negativen JCV-Antikörperbefund aufweisen. Der Test sollte während der Infusionstherapie halbjährlich wiederholt werden. Diese Information kann Ärzten und Patienten helfen, vor dem Hintergrund der drohenden Gefahr einer fortschreitenden Behinderung durch die MS gemeinsam die jeweils am besten geeignete MS-Therapie auszuwählen.

    Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Wirkstoffen und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Für konkrete, individuelle Therapieempfehlungen sprechen Sie am besten mit einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung von MS-Patienten hat.

Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Wirkstoffen und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Für konkrete, individuelle Therapieempfehlungen sprechen Sie am besten mit einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung von MS-Patienten hat.