Alle Informationen rund um die Schubtherapie

Die akuten Schübe der Multiplen Sklerose (MS) werden heute überwiegend mit synthetisch hergestellten Kortisonpräparaten, sogenannten Kortikosteroiden oder Kortikoiden, behandelt. Eine derartige Therapie kann die Schübe verkürzen und die Beschwerden mildern. Auf den langfristigen Verlauf der MS-Erkrankung kann die Behandlung mit Kortison jedoch keinen Einfluss nehmen.

  • Wie wirken Kortikoide?Open or Close

    Kortikoide sind chemisch verwandt mit Kortison, einem natürlich vorkommenden Hormon, das vielfältige Effekte auf das Immunsystem hat.

    Das Kortikoid führt zunächst dazu, dass die Blut-Hirn-Schranke ihre Funktion wieder besser aufnehmen kann, sodass weniger Entzündungszellen und -stoffe vom Blut in das zentrale Nervensystem (ZNS) übertreten können. Darüber hinaus hemmt es die Produktion von spezifischen Entzündungs- und Botenstoffen durch die körpereigenen Immunzellen. Die entzündlichen Vorgänge während eines akuten Schubs werden damit eingedämmt.

  • Wirksamkeit der KortikoideOpen or Close

    Mehrere Studien haben den positiven Einfluss des künstlichen Hormons auf die Schwere und Dauer von MS-Schüben belegt. Weil die gewünschte Wirkung des Kortikoids in den Studien von der Dosis abhängig war und die unerwünschten Nebenwirkungen sowohl mit der Dosis als auch mit der Dauer der Behandlung zunehmen können, hat sich eine hochdosierte Kurzzeittherapie (Stoßtherapie) durchgesetzt.

  • Wie sieht die Standardtherapie aus?Open or Close

    Verabreicht wird das hoch dosierte Kortison meist intravenös, also in Form einer Infusion. Die ersten Infusionen erfolgen aus Sicherheitsgründen oft in einer Klinik. Bei guter Verträglichkeit können die weiteren Infusionen ambulant durchgeführt werden. Alternativ gibt es inzwischen auch eine Hochdosistherapie mit Tabletten.
     
    Bilden sich die Symptome nicht ausreichend zurück, kann eine zweite Schubtherapie, möglicherweise mit einer erhöhten Dosis, sinnvoll sein.

  • Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?Open or Close

    Die Nebenwirkungen einer Kortison- bzw. Kortikoid-Therapie treten in der Regel nur auf, wenn das Hormon über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Kommt es – wie bei der MS-Schubtherapie – nur kurzfristig zum Einsatz, ist die Verträglichkeit meistens gut. Bis zu vier hoch dosierte Stoßtherapien pro Jahr gelten als nebenwirkungsarm und sicher.

    Als Akutnebenwirkungen kann es zu Schlaflosigkeit, Unruhe, Hautrötungen, Verschwommensehen, Magenschleimhautentzündungen sowie sehr selten zu Krämpfen, Psychosen oder Thrombosen kommen.

  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten eingehalten werden?Open or Close

    Vor jeder Schub-Behandlung mit Kortikoiden sollte der Arzt eine virale oder bakterielle Infektion ausschließen, weil die Kortison-Therapie nicht nur die unerwünschten, sondern auch die zur Infektabwehr nötigen Entzündungsreaktionen unterdrückt.

    Begleitend zur Therapie wird die Gabe von Magenschutzpräparaten empfohlen. Bei bekannt erhöhtem Thromboserisiko sollte der behandelnde Arzt zusätzlich ein Präparat zur Blutverdünnung verordnen. Blutwerte, der Augeninnendruck bei Glaukom-Patienten sowie gegebenenfalls auftretende Nebenwirkungen sollten während der Therapie vom Arzt überwacht werden.

  • Was tun bei schweren Schüben?Open or Close

    Bei schweren Schüben, die nicht auf Kortison ansprechen, kann im Sinne einer „eskalierten Schubtherapie" ggf. die Plasmapherese („Blutwäsche“) zum Einsatz kommen. Hierbei werden aus dem Blutplasma wichtige Bestandteile des Immunsystems entfernt. Die Methode ist allerdings mit einem erhöhten Risiko für Infektionen und Gerinnungsstörungen verbunden.

Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Wirkstoffen und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Für konkrete, individuelle Therapieempfehlungen sprechen Sie am besten mit einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung von MS-Patienten hat.