Weitere Wirkstoffe für die MS-Langzeittherapie

Bei der Langzeittherapie der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) kommen neben den Beta-Interferonen weitere Wirkstoffe zum Einsatz.

  • DimethylfumaratOpen or Close

    Man geht davon aus, dass dieser Wirkstoff die körpereigene Immunabwehr bei der Bekämpfung der MS-Erkrankung unterstützt, indem er schützende Stoffwechselwege in den Zellen anstößt. In medizinischen Studien wurde nachgewiesen, dass Dimethylfumarat entzündungshemmend wirkt und das Immunsystem beeinflussen kann. So trägt Dimethylfumarat dazu bei, dass weniger entzündungsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet werden. Darüber hinaus wurde in Studien gezeigt, dass Dimethylfumarat gezielt Gene aktivieren kann, die antioxidativ wirken. Dimethylfumarat wird zweimal täglich in Kapselform eingenommen.

  • GlatirameracetatOpen or Close

    Glatirameracetat ist für die verlaufsmodifizierende Therapie der schubförmigen MS zugelassen. Es ist in der Lage, aggressive Zellen des Immunsystems so zu verändern, dass die Myelinhülle um das Nervengewebe geschützt wird. Die Anwendung von Glatirameracetat erfolgt täglich oder dreimal pro Woche als subkutane Injektion.

  • TeriflunomidOpen or Close

    Teriflunomid ist ebenfalls für die verlaufsmodifizierende Therapie der schubförmigen MS zugelassen. Die Substanz wirkt immunmodulierend und antientzündlich. Es wird vermutet, dass Teriflunomid die Zahl der aktivierten Lymphozyten verringert. Teriflunomid wird einmal täglich in Tablettenform eingenommen.

  • ImmunglobulineOpen or Close

    Immunglobuline sind eine Mischung aus Antikörpern, die aggressive Antikörper neutralisieren können. Die Präparate, die einmal monatlich intravenös verabreicht werden, stammen aus Spenderserum und enthalten überwiegend gereinigtes Immunglobulin G. Dies sind lösliche Antikörper, die während einer Abwehrreaktion von speziellen Immunzellen, den Plasmazellen, produziert werden. Da mit menschlichem Material (Blut) gearbeitet wird, können verschiedene Chargen in ihrer Wirksamkeit sehr unterschiedlich ausfallen. Außerdem besteht das Risiko von Infektionen oder Abwehrreaktionen gegen solche Fremdeiweiße. Dazu kommt, dass diese Produkte sehr teuer sind.

    Die Immunglobuline haben verschiedene entzündungshemmende Wirkungen auf Zellen und Botenstoffe des Immunsystems. Zur Behandlung der schubförmigen MS liegen inzwischen einige Studien vor, die eine positive Wirkung im Hinblick auf die Schubfrequenz belegen. Abschließende Nachweise zur Beeinflussung des Fortschreitens der Erkrankung stehen jedoch noch aus.

  • FingolimodOpen or Close

    Fingolimod gehört zur Klasse der Immunsuppressiva. Anders als bei anderen immunsuppressiven Wirkstoffen werden durch Fingolimod die Immunzellen nicht abgetötet oder an der Vermehrung gehindert. Stattdessen beruht die Wirkung von Fingolimod darauf, dass es die Lymphozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) daran hindert, in das zentrale Nervensystem (ZNS) einzudringen und dort das Nervengewebe zu schädigen. Dabei kommt es zu einer Umverteilung der im Blut zirkulierenden Lymphozyten in die Lymphknoten. Dieser Prozess ist nach Absetzen von Fingolimod reversibel.

    Der Wirkstoff ist zur verlaufsmodifizierenden Behandlung der hochaktiven schubförmigen und der rasch fortschreitenden, schweren MS zugelassen. Die Behandlung erfolgt über die einmal tägliche, von den Mahlzeiten unabhängige, Einnahme einer Kapsel.

  • AlemtuzumabOpen or Close

    Alemtuzumab ist zugelassen zur verlaufsmodifizierenden Behandlung bei Patienten mit aktiver schubförmiger MS. Der monoklonale Antikörper bindet spezifisch an bestimmte Oberflächenproteine von B- und T-Zellen und bekämpft diese Zellen, die an der Entstehung der MS beteiligt sind. Nach der Anwendung von Alemtuzumab ist zunächst eine Abnahme und anschließend eine Neubildung von B- und T-Zellen im Blut zu beobachten.

    Alemtuzumab wird in 2 Behandlungsphasen verabreicht: Zunächst erhalten die Patienten 5 intravenöse Infusionen an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, zwölf Monate später 3 weitere Infusionen an 3 aufeinanderfolgenden Tagen.

  • AzathioprinOpen or Close

    Azathioprin wird in der Behandlung der MS bereits seit Ende der 60er-Jahre eingesetzt, hat jedoch durch neuere Entwicklungen an Bedeutung verloren. Der Wirkstoff gehört zu den Immunsuppressiva, das heißt, er unterdrückt die Aktivität des Immunsystems. Er behindert die Zellteilung in Geweben, in denen es eine hohe Zellteilungsrate gibt. Da sich die Zellen des Immunsystems, besonders bei Entzündungsreaktionen, schnell und häufig teilen, werden auch diese Vorgänge von Azathioprin „unspezifisch“ gehemmt, ohne auf bestimmte Zellen zu zielen.

    Die Wirksamkeit von Azathioprin in der Therapie der schubförmigen MS ist nicht abschließend geklärt. Azathioprin wird in Tablettenform eingenommen.

  • MitoxantronOpen or Close

    Mitoxantron kommt zum Einsatz, wenn andere Medikamente nicht zum Erfolg führen. Es gehört zu den Immunsuppressiva, unterdrückt also die Wirkung des Immunsystems. Verschiedene Studien zeigen, dass Mitoxantron – insbesondere bei Patienten mit schubförmiger MS und hoher Schubfrequenz – die Anzahl der Schübe reduziert und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt. Mitoxantron sollte wegen seiner Nebenwirkungen nur dann eingesetzt werden, wenn die Schübe sehr häufig auftreten und schlecht abklingen und wenn andere Therapien versagen.

  • CyclophosphamidOpen or Close

    Das sehr starke Immunsuppressivum Cyclophosphamid zählt zur letzten Stufe der verlaufsmodifizierenden Therapie der MS. Wie Mitoxantron ist es ein Zytostatikum, das die Teilung von Krebs- oder Immunzellen hemmt. Zur MS-Therapie mit Cyclophosphamid liegen einige Studien mit überwiegend schwer erkrankten Patienten vor, die keine eindeutigen Wirksamkeitsnachweise erbringen konnten. Dennoch empfehlen Experten den Einsatz des Chemotherapeutikums bei besonders schweren und rasch fortschreitenden Fällen von MS, bei denen andere Wirkstoffe keinen Erfolg gezeigt haben. Die Therapie sollte in enger Zusammenarbeit von einem Arzt mit Erfahrungen in der Chemotherapie und einem MS-Zentrum erfolgen.

Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Wirkstoffen und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Für konkrete, individuelle Therapieempfehlungen sprechen Sie am besten mit einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung von MS-Patienten hat.