Schrittweise Diagnose der Multiplen Sklerose

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Eine frühe Diagnose der Multiplen Sklerose (MS) ist sehr wichtig, denn der frühzeitige Beginn einer Interferon-Therapie kann sich positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Doch der Nachweis der Erkrankung ist nach wie vor schwierig, da es noch keinen einfachen MS-Test gibt.

Derzeit stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die Hinweise auf die MS liefern. Sie allein reichen jedoch für die Diagnose der MS nicht aus. Zunächst spielen die Symptome, die Krankheitsvorgeschichte, der Verlauf und die Ergebnisse neurologischer Untersuchungen eine zentrale Rolle („klinische" Methoden). Allerdings können die Beschwerden von MS-Patienten individuell sehr unterschiedlich sein. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome teilweise so unspezifisch und schwach ausgeprägt, dass sie selbst von den Betroffenen zunächst gar nicht ernst genommen werden. Aus diesem Grund werden weitere technische Untersuchungen wie Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) oder die Messung der evozierten Potentiale („paraklinische" Methoden) und Labortests wie die Liquoruntersuchung (Untersuchung des Nervenwassers) ergänzend eingesetzt.

Anhand der Erkenntnisse aller Untersuchungen lässt sich auf die Wahrscheinlichkeit einer MS-Erkrankung schließen. Dabei nimmt die Zuverlässigkeit der Diagnose mit der Anzahl der MS-typischen Merkmale zu.

Diagnose-Kriterien

Um die Gesamteinschätzung der Untersuchungsergebnisse zu vereinfachen, gibt es spezielle Diagnose-Kriterien. Sie beschreiben, bei welcher Konstellation der Untersuchungsergebnisse von welchem Grad der Diagnose-Sicherheit auszugehen ist.

Nach aktuellen Studien zahlt sich in vielen Fällen bereits beim ersten MS-Schub der Beginn einer Langzeittherapie wie zum Beispiel Interferon beta aus, weil sie das Auftreten eines zweiten Schubes hinauszögern kann.

Die neuen McDonald-Kriterien berücksichtigen die Fortschritte und Neubewertungen in der Diagnostik – insbesondere die Ergebnisse von MRT-Untersuchungen. Somit ermöglichen sie bereits nach Auftreten der ersten Symptome die Diagnose und damit kurze Zeit den Beginn einer MS-spezifischen Therapie. Die McDonald-Kriterien unterscheiden in Abhängigkeit von der Befundkonstellation folgende Kategorien: „MS", „mögliche MS" und „keine MS". Die Anwendung der McDonald-Kriterien ist nicht einfach und daher erfahrenen Neurologen vorbehalten.