Neurologische Untersuchung bei multipler Sklerose

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Bei Verdacht auf eine Multiple Sklerose (MS) nimmt der Arzt nach der Erhebung der Vorgeschichte zunächst eine neurologische Untersuchung vor. Sie umfasst die Überprüfung des Nervensystems von Kopf bis Fuß. Dabei werden z. B. die Reflexe, die verschiedenen Grade der Sensibilität, einschließlich der Schmerzempfindung, die Muskelkraft und die Koordination von Muskelfunktionen sowie der Gleichgewichtssinn untersucht. Oft sind die Störungen so leicht ausgeprägt, dass sie vom Patienten im Alltag nicht bemerkt, vom Neurologen mit den verschiedenen körperlichen Untersuchungsmethoden jedoch nachgewiesen werden. Eine besondere Rolle spielt der Seitenvergleich, denn bestimmte einseitige Funktionseinschränkungen schließen einige Erkrankungen aus und erhärten den Verdacht auf eine Multiple Sklerose.

Untersuchung der zwölf Hirnnerven

Jeder unserer zwölf Hirnnerven hat bestimmte Aufgaben, für die spezielle Funktionstests zur Verfügung stehen. Generell werden bei diesen Untersuchungen Sehen, Hören und Riechen, verschiedene Reflexe im Kopfbereich, die Kraft der Muskulatur im Bereich des Gesichtes, des Halses und der Schultern, das Berührungsempfinden in diesen Regionen sowie das Schluck- und Sprechvermögen getestet.

  • Überprüfung der SensibilitätOpen or Close

    Ein gestörtes Gefühlsempfinden kann der Arzt erkennen, indem er am gesamten Körper mit einem Wattebausch über die Haut streicht. Dabei werden möglicherweise Empfindungsveränderungen oder Unterschiede beim Seitenvergleich festgestellt. Daneben gibt es weitere Sensibilitätsprüfungen, beispielsweise die Überprüfung der Tiefensensibilität oder die Kontrolle des Lagesinns. Zudem werden Temperatur- und Schmerzempfinden getestet.

  • Nachweis von Kraftminderung und LähmungenOpen or Close

    Verminderte Muskelkraft oder Lähmungen lassen sich anhand von bestimmten Beuge- und Streckbewegungen erkennen. Störungen der Feinbeweglichkeit können manchmal der einzige Hinweis auf eine Lähmung sein, die auf eine Störung im Gehirn zurückzuführen ist.

    Außerdem kontrolliert der Arzt Muskelumfang, Beweglichkeit, Muskelspannung und abnorme Bewegungen.

  • KoordinationsprüfungOpen or Close
    Koordinationsprüfung: normal gegen Ataxie
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    Ein gestörtes Zusammenspiel von Nerven und Muskeln macht sich beim Finger-Nase-Versuch bemerkbar. Dabei muss der Patient mit geschlossenen Augen seinen Zeigefinger zur Nase führen.

    Auch die Feinmotorik der Arme und Beine (Faden in ein Nadelöhr einfädeln, Greifen nach einem Gegenstand) und das Halten des Gleichgewichts liefern Hinweise auf Koordinationsstörungen.

  • Fehlende oder ungewöhnlich Reflexe bei MSOpen or Close
    Test der Fußreflexe: negativ gegen positiv
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    Durch Klopfen auf Arme und Beine mit einem Reflexhammer werden die Muskeleigenreflexe überprüft, die sich bei MS in der Regel verstärkt auslösen lassen.

    MS-Patienten zeigen Reflexe, die es bei Gesunden nicht gibt: Das gilt beispielsweise für den so genannten Babinski-Reflex, der auf einen krankhaften Prozess im zentralen Nervensystem (ZNS) hinweist. Hierbei bewegt sich die große Zehe des Patienten nach oben, wenn der Arzt mit der Spitze seines Reflexhammers über die Außenkante des Fußes streicht.

  • Verschiedene Untersuchungsmethoden und ihre AuswertungOpen or Close

    Zum Auswerten, Beurteilen und Vergleichen der vielfältigen Untersuchungsergebnisse sowie zur Kontrolle der Veränderungen stehen spezielle Bewertungsskalen zur Verfügung. Welche der Untersuchungsmethoden tatsächlich angewendet werden, ist individuell unterschiedlich. Auch die weiterführenden Untersuchungen unterscheiden sich von Patient zu Patient. Bei unklaren Sehstörungen muss möglicherweise ein Augenarzt, bei Schluckstörungen oder einer unklaren Hörminderung ein HNO-Arzt hinzugezogen werden. Wenn sich bei diesen Untersuchungen der Verdacht auf eine MS hinreichend bestätigt, sichert eine Kernspintomographie (MRT) die Diagnose.