Individuelle Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

Der Verlauf der Multiplen Sklerose ist individuell sehr verschieden, insbesondere die Art und Schwere der Symptome und das zeitliche Muster, in dem die Schübe auftreten, unterscheiden sich bei jedem Betroffenen. Langjährige medizinische Erfahrungen zeigen, dass sich die MS typischerweise in drei charakteristischen Verlaufsformen ausprägen kann:

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  • Schubförmige MS oder schubförmig remittierende MSOpen or Close

    Der schubförmig remittierende Verlauf (remittierend = wiederholt auftretend) zeichnet sich durch das plötzliche Auftreten von Krankheitssymptomen aus, die sich vollständig oder unvollständig zurückbilden. Im letzteren Fall können Behinderungen zurückbleiben. Die Schübe treten in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf und sind in der Regel klar voneinander abgrenzbar. Einem Schub können monate- oder jahrelange Phasen der Inaktivität folgen.

    Meist beginnt die MS mit einem schubförmigen Verlauf. Bei vielen Patienten geht die MS im Laufe der Zeit dann in eine sekundär progrediente Verlaufsform über.

  • Sekundär progrediente MSOpen or Close
    Zunahme der Behinderung im Verhältnis zur Zeit bei sekundär progredienter MS
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    Kennzeichnend für den sekundär progredienten Verlauf (progredient = fortschreitend) ist, dass die MS zunächst schubförmig beginnt, jedoch im Laufe der Zeit die Rückbildung der Symptome nach einem Schub immer unvollständiger erfolgt und es zu einer zunehmenden körperlichen Beeinträchtigung kommt. Dabei können sich Phasen der raschen und langsamen Verschlechterung sowie relativ stabile Phasen abwechseln.

  • Primär chronisch progrediente MSOpen or Close
    Zunahme der Behinderung im Verhältnis zur Zeit bei primär chronisch progredienter MS
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    Der primär chronisch progrediente Verlauf kommt mit einer Häufigkeit von 10 bis 20% der Patienten eher seltener vor. Bei dieser Form treten von Krankheitsbeginn an keine Schübe auf und es kommt zu einer fortschreitenden Zunahme von Symptomen und Beeinträchtigungen. Dabei erfolgt keine wesentliche Rückbildung der Symptome.

    Man hat festgestellt, dass die MS bei jungen Patienten überwiegend schubförmig, bei Patienten im Alter über 40 Jahren häufiger mit einer chronisch-progredienten Form beginnt.
     
    Auch wenn der Arzt die jeweilige Verlaufsform, in der sich sein Patient befindet, definieren kann, lässt sich der weitere Krankheitsverlauf dennoch nicht individuell vorhersagen. Es gibt statistische Wahrscheinlichkeiten für den Verlauf, die jedoch nicht als allgemeine Regeln aufgestellt werden können: Die MS kann jederzeit in der aktuell bestehenden Form „stehen bleiben" – entweder für längere Zeit, selten auch für immer.

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