Weihrauchtherapie
Weihrauch gegen MS?
Seit mehreren Jahren ist das Pflanzenheilmittel Weihrauch immer wieder im Gespräch. In Indien zählt Weihrauch seit mehreren tausend Jahren zu den Heilverfahren der traditionellen ayurvedischen Medizin. Dort kommt es z.B. bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis, einer chronisch entzündlichen Erkrankung der Gelenke, zum Einsatz.
Das Harz des Weihrauch-Baumes Boswellia serrata enthält als Wirkstoff die so genannten Boswelliasäuren. Wie in experimentellen Ansätzen nachgewiesen nicht jedoch in Studien an Patienten - hemmen Boswelliasäuren die Produktion bestimmter entzüngsfördernder Substanzen, und zwar der Leukotriene.
Leukotriene
Leukotriene erfüllen bei der Immunantwort zahlreiche Aufgaben. Sie locken nicht nur Immunzellen zum Entzündungsherd, sondern sie erhöhen auch die Durchlässigkeit der Gefäße, so dass mehr Abwehrzellen zur Entzündung vordringen können, und unterstützen die Fressfunktion bestimmter Immunzellen (Makrophagen). Weiterhin verstärken die Leukotriene die Freisetzung von Spaltungsenzymen, die eine Immunantwort ankurbeln und bei der Beseitigung des Erregers helfen.
Pathologie der MS
Auch bei der Multiplen Sklerose spielen Entzündungsvorgänge eine entscheidende Rolle. Man geht von einer übermäßigen Aktivität bestimmter Immunzellen im ZNS aus. Aktivierte Immunzellen überschreiten die Blut-Hirn-Schranke (BHS), die das Gehirn ansonsten sehr streng auch von Entzündungszellen abschirmt, und greifen die schützende Umhüllung der Nervenstränge (Axone) an - die so genannte Myelinscheide. Dies führt zur Verminderung der Reizweiterleitung entlang der Nervenbahnen. Durch die Zerstörung der Myelinschicht kann auch das Axon angegriffen werden, das in der Folge schrumpft. Dieses Schädigungsstadium der Nerven ist in der Regel nicht rückgängig zu machen. Die typischen Symptome der MS: z.B. Empfindungs- und Sehstörungen oder muskuläre Lähmungen sind eine Folge der beschriebenen Schädigungen der Nervenbahnen.
MS und Boswelliasäuren?
Wegen der entzündungshemmenden Wirkung, die Boswelliasäuren nachgesagt werden, und der Tatsache, dass bei der MS Entzündungsreaktionen eine entscheidende Rolle spielen, wird von manchem der Schluss vertreten: Boswelliasäuren stoppen die Entzündung bei der MS und heilen die Erkrankung. H15, ein Weihrauchpräparat , das nur in einem Kanton der Schweiz zugelassen ist, wird mit dieser Begründung auch als vielversprechendes Heilmittel der MS gepriesen.
Aber Vorsicht ist geboten. Bislang konnte die positive Wirkung von H15 auf den Krankheitsverlauf der MS nicht nachgewiesen werden. So warnt auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft vor voreiligen Schlüssen. Für einen sinnvollen oder erfolgsversprechenden Einsatz bei der Multiplen Sklerose liegen keine Ergebnisse vor." Und weiter: Eine ursächliche Heilung schwerwiegender chronischer Erkrankungen ist von dieser Therapie nicht zu erwarten."
Weiterhin warnt die DMSG auch vor dem bislang nicht kalkulierbaren Risiko möglicher Nebenwirkungen. Denn es fehlen auch hier klinische Studien, die darüber aufklären könnten. Individuelle Erfolgsmeldungen sind vorsichtig zu bewerten, trotz der Äußerung der DMSG: Befindlichkeitsverbesserungen sind jedoch wie bei so vielen Verfahren aus dem Bereich der sogenannten Erfahrungsmedizin durchaus möglich." Denn: Durch solche können noch lange keine universell anwendbaren Regeln zur Wirkungsweise von Weihrauch-Präparaten aufgestellt werden.
Solange kein fundierter Wirkungsnachweis von Weihrauch erbracht ist und mögliche Nebenwirkungen nicht abgeklärt sind, wird in Deutschland kein Boswellia-Präparat zugelassen werden. Ein Bezug von H15 aus der Schweiz ist sehr kostspielig, da es von den Krankenkassen nicht als Kassenleistung anerkannt wird.
Literatur:
Ammon, Prof. Dr. med. HPT, Salai-Guggal-(Indischer Weihrauch-) Gummiharz aus Boswellia serrata: Boswelliasäuren als Nicht-Redoxhemmstoffe der Leukotrienbiosynthese - Neue therapeutische Möglichkeit?" Dt Ärztebl 1998; 95: A-30-31 [Heft 1-2]
Seidel Dr. med. D., Stellvertretender Vorsitzender des Ärztlichen Beirates der DMSG Bundesverband e.V., Klinikdirektor Augustahospital Anholt, Isselburg, MS-Therapie mit Weihrauch"
Pressemeldung der DMSG 28.04.99
Sander O., Herborn G., Rau R., Ist H15 (Harzextrakt von Boswellia serrata, (Weihrauch") eine sinnvolle Ergänzung zur etablierten medikamentösen Therapie der chronischen Polyarthritis? - Ergebnisse einer doppelblinden Pilotstudie", Z Rheumatol 57:1116 (1998)
Wasenberg Dr. med. S., Salai-Guggal-(Indischer Weihrauch-) Gummiharz aus Boswellia serrata", Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 40, 2. Oktober 1998 (61): A 2481 f.
BSMO Redaktion





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