Azathioprin
Azathioprin
Azathioprin wird in der Behandlung der MS bereits seit Ende der 60er-Jahre eingesetzt, hat jedoch durch neuere Entwicklungen an Bedeutung verloren. Es ähnelt einem Baustein der Erbsubstanz (DNA) und behindert auf diese Weise die korrekte Zellteilung in Geweben, in denen es einen hohen Zellumsatz gibt. Da sich auch die Zellen des Immunsystems, insbesondere bei Vorliegen einer Entzündungsreaktion, schnell und häufig teilen, werden diese Vorgänge von Azathioprin unspezifisch gehemmt, d.h. ganz allgemein ohne auf bestimmte Zellen zu zielen. Letztendlich hat auch Azathioprin Einfluss auf verschiedene Ebenen der Entzündungsreaktionen im zentralen Nervensystem; der genaue Mechanismus ist noch nicht abschließend bekannt.
Die Substanz konnte in mehreren Studien die Schubrate gegenüber einem Plazebo um 30 bis 40 Prozent senken. Da diese Studien jedoch älter sind und nicht mehr dem Standard entsprechen, der beispielsweise bei der Zulassung der neueren beta-Interferonen galt, ist seine Effektivität in der Therapie der schubförmigen MS nicht abschließend geklärt. Vergleichsstudien mit Interferon beta fehlen ebenso wie Studien, die den Einfluss des Präparates auf die Bildung von Herden zeigen, die mit Hilfe Kernspintomographie überprüft werden. Daher gilt Azathioprin laut MSTKG derzeit als Mittel der zweiten Wahl. Es wird jedoch vermutlich seinen Stellenwert in der Therapie der schubfömigen MS zunächst behalten, weil es derzeit das einzige Medikament ist, das als Tablette eingenommen werden kann.
Azathioprin wird in einer Dosierung von 2-3 mg/ kg Körpergewicht gegeben. Die Wirkung tritt in der Regel erst mit einer Verzögerung von zwei bis fünf Monaten ein. Patienten, die bereits seit längerem erfolgreich mit Azathioprin behandelt werden, können die Therapie nach Angaben der MSTKG für ca. zehn Jahre durchführen. Bei ihnen sollte jedoch alle ein bis zwei Monate eine Kontrolle des Blutbildes erfolgen.
Denn zu den möglichen Nebenwirkungen zählen neben Beschwerden im Magen-Darm-Trakt eine Abnahme der Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) oder Erythrozyten (rote Blutkörperchen; bei Abnahme entsteht eine Anämie bzw. Blutarmut"). Auch die Leberwerte können sich verändern. Da es keine ausreichenden Erfahrungen mit Azathioprin während der Schwangerschaft gibt, sollte während der Therapie zuverlässig verhütet werden.
Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Medikamenten und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Für konkrete Therapieempfehlungen sprechen Sie am besten mit einem Arzt, der Erfahrungen in der Behandlung von MS-Patienten hat.
BSMO Redaktion





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