Behandlung
Neutralisierende Antikörper in der MS-Therapie
Der Einsatz von Interferon beta stellt einen Durchbruch in der Behandlung der Multiplen Sklerose dar. Das körpereigene Eiweiß spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und kann mit biotechnologischen Methoden für die MS-Therapie hergestellt werden.
Die drei derzeit auf dem Markt erhältlichen Interferon-beta-Präparate (Interferon beta-1a subkutan, Interferon beta-1a intramuskulär, Interferon beta-1b subkutan) sind alle für die Behandlung der schubförmig verlaufenden MS zugelassen. Jedes der Medikamente konnte in großen Zulassungsstudien die Rate der MS-Schübe im Vergleich zu einem Scheinpräparat (Placebo) um etwa ein Drittel senken. Bei den Interferon-beta-1a-Präparaten ließ sich darüber hinaus das Fortschreiten der Erkrankung signifikant verzögern. Interferon beta ist neben Glatirameracetat bei Multipler Sklerose daher heute die Therapie der Wahl.
Interferon und Rezeptor binden nach Schlüssel-Schloss-Prinzip
Die Interferone haben verschiedene Effekte im Körper: Sie wirken gegen Viren (antiviral), beeinflussen das Immunsystem (immunmodulatorisch) und hemmen die Teilung von sich schnell teilenden Zellen, beispielsweise Tumorzellen (antiproliferativ). Welche genauen Mechanismen der MS-Therapie zu Grunde liegen, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch Hinweise, dass Interferon beta sowohl auf Immunzellen als auch auf Botenstoffe wirkt, die an den MS-typischen entzündlichen Prozessen der Nerven beteiligt sind.
Bei diesen Effekten spielt das Andocken der Interferon-beta-Präparate an spezifische Empfängerstrukturen (Rezeptoren) der entsprechenden Zielzellen eine entscheidende Rolle. Diese Wechselwirkung erfolgt über spezielle Bindungsstellen, die sich sowohl auf dem Interferon beta als auch auf seinem Rezeptor befinden und nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip exakt zueinander passen.
Biologische Medikamente können Abwehrreaktionen auslösen
Alle derzeit auf dem Markt befindlichen Interferon-beta-Präparate können die Schubrate bei Multipler Sklerose in den ersten zwei Behandlungsjahren um etwa ein Drittel reduzieren. Im Laufe der letzten Jahre gab es jedoch zunehmend Hinweise, dass sich die Substanzen in ihrer Immunogenität deutlich unterscheiden, was einen Einfluss auf die längerfristige Wirksamkeit hat. Denn ähnlich wie andere biologische Medikamente scheinen die Interferone eine Abwehrreaktion des Körpers auslösen zu können. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass das Immunsystem das therapeutische Eiweiß als fremd erkennt und darauf mit der Bildung von Antikörpern reagiert.
Einige dieser Antikörper sind so genannte Neutralisierende Antikörper (NAbs, Abkürzung für Neutralizing Antibodies): Sie setzen sich so auf der Oberfläche des Medikamentes fest, dass eine Wechselwirkung mit dem Rezeptor nicht mehr möglich ist und beeinträchtigen (neutralisieren) daher dessen Wirksamkeit.
Wie dieser komplizierte Vorgang im Detail abläuft, können Sie sich hier anschauen.
Quelle: [1] Sorensen PS, et al. Guidelines on use of anti-IFN-beta antibody measurements in multiple sclerosis: report of an EFNS Task Force on IFN-beta antibodies in multiple sclerosis. Eur J Neurol. 2005;12(11):817-27.





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