Behandlung
Vorsichts- und Gegenmaßnahmen: Was schützt, was nützt?
Um ein möglichst optimales Ansprechen der MS-Therapie zu gewährleisten, suchen Experten nach Möglichkeiten, das Auftreten von Neutralisierenden Antikörpern zu verhindern oder wieder rückgängig zu machen.
Weil sie die negativen Effekte der Neutralisierenden Antikörper auf die Interferon-beta-Therapie vermeiden möchten, diskutieren Experten inzwischen verschiedene Möglichkeiten, wie sich die unerwünschte Abwehrreaktion des Körpers verhindern oder rückgängig machen lässt. Die Optionen reichen von der Unterdrückung des Immunsystems bis hin zur Blutwäsche. Doch es besteht noch Forschungsbedarf.
Da der negative Einfluss der Neutralisierenden Antikörper (NAbs) auf die Wirksamkeit einer MS-Therapie mit Interferon beta zunehmend anerkannt wird, gibt es eine Reihe von Überlegungen, wie deren Auftreten verhindert bzw. rückgängig gemacht werden kann. Doch die Forschungsergebnisse zu diesem Thema lassen noch Wünsche offen.
Was schützt vor dem Auftreten der NAbs?
So könnte nach Angaben einer Arbeitsgruppe der European Federation of Neurological Societies (EFNS) eine medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems der ungewollten Abwehrreaktion auf die Interferon-beta-Therapie entgegenwirken. Tatsächlich lieferte eine Studie Hinweise, dass durch Kombination der Interferon-beta-Therapie mit einer monatlichen Gabe eines Kortison-Präparates womöglich das Auftreten der Neutralisierenden Antikörper verhindert oder hinausgezögert werden kann. Traten die Antikörper aber einmal auf, hatte das Kortison-Präparat allerdings keinen positiven Einfluss mehr auf deren Menge.
Ähnliche Untersuchungen gibt es für die gleichzeitige Gabe von Interferon beta und weiteren Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva). Diese Studien waren jedoch klein und die Ergebnisse widersprüchlich, so dass der Erfolg des Ansatzes bisher nicht abschließend zu beurteilen ist.
Was nützt bei Auftreten der NAbs?
Werden wiederholt bei Messungen im Abstand von 3-6 Monaten größere Mengen Neutralisierender Antikörper nachgewiesen, empfehlen die europäischen MS-Experten einen Abbruch der Behandlung. Doch es ist unklar, was ihres Erachtens stattdessen geschehen sollte. Von dem Umstellen auf ein anderes Interferon-beta-Präparat versprechen sie sich keinen Nutzen, weil zu viele Ähnlichkeiten bestehen, so dass die Neutralisierenden Antikörper vermutlich dennoch die Wirksamkeit mindern würden.
Zwei weitere Optionen stellen die Plasmapherese (Blutwäsche) und die Gabe von Immunglobulinen dar. Denn Immunglobuline blockieren bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen die Antikörper-Produktion und mit Hilfe der Plasmapherese lassen sich Antikörper aus dem Blut entfernen. Beide Methoden beeinflussen jedoch nicht die immunologischen Gedächtniszellen. Mit anderen Worten: Wurde die Produktion der Neutralisierenden Antikörper erst einmal in Gang gesetzt, kann sie bei erneutem Kontakt mit einem Interferon-beta-Präparat vermutlich trotz Plasmapherese oder Immunglobulin-Gabe wieder beginnen, weil die Gedächtniszellen eine schnelle Reaktion des Immunsystems gewährleisten.
Weitere Forschung ist nötig
Zusammenfassend kommt die europäische Arbeitsgruppe zu dem Schluss, dass entsprechende Vorsichts- und Gegenmaßnahmen künftig weiter erforscht werden müssen. Sie hält vor allem Untersuchungen zur gleichzeitigen Gabe eines Kortison-Präparates bei der Interferon-beta-Therapie für sinnvoll, um dessen schützende Effekte ggf. zu bestätigen.
Quelle: Sorensen PS, et al. Guidelines on use of anti-IFN-beta antibody measurements in multiple sclerosis: report of an EFNS Task Force on IFN-beta antibodies in multiple sclerosis. Eur J Neurol. 2005;12(11):817-27.





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