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Interferone




Interferon beta in der MS-Therapie

Arzt stellt Rezept aus

Interferone sind Eiweiße, die bei Entzündungsreaktionen im Körper ausgeschüttet werden und die Immunreaktionen sowohl verstärken als auch verringern können. Inzwischen sind mehr als 20 verschiedene Interferone bekannt, die weiter unterteilt werden in Interferone vom Typ 1 (alpha, beta, omega) sowie vom Typ 2 (gamma).

Bereits in den 70er-Jahren gab es erste Studien, in denen der Einsatz von Interferon alpha und -beta bei der Multiplen Sklerose überprüft worden ist. Die Forschung wurde Mitte der 80er-Jahre erleichtert, als es gelang, mit Hilfe der Gentechnik (Rekombination) Interferone in größerem Maße herzustellen. Inzwischen ist bekannt, dass sich für die Therapie der Multiplen Sklerose Interferon beta hervorragend eignet.

Drei Beta-Interferone für Multiple Sklerose zugelassen

Derzeit sind drei Interferon beta-Präparate für die Behandlung der schubförmigen Multiple Sklerose zugelassen. Sie werden – je nach Art der Herstellung - unterschieden in Interferon beta-1b und Interferon beta-1a. Während Interferon-beta-1b von Bakterien (E. coli) produziert wird, stammt Interferon beta-1a aus Säugetierzellen und ähnelt daher stärker dem natürlichen Interferon beta des Menschen. Da alle drei Interferon-Präparate im Magen-Darm-Trakt empfindlich auf Magensäure reagieren, stehen sie nicht in Tablettenform zur Verfügung. Derzeit werden sie entweder subkutan oder intramuskulär gespritzt, d.h. unter die Haut oder in das Muskelgewebe. Ähnlich wie bei der Insulintherapie beim Diabetes mellitus können die Patienten dies nach ärztlicher Anleitung häufig selber durchführen.

Obwohl es sich hierbei in allen Fällen um Beta-Interferone handelt, unterscheiden sich die Präparate insbesondere in Dosierung und Applikation. Ursache ist die unterschiedliche Herstellungsweise.

Schubrate um ein Drittel gesenkt

Die Interferone haben verschiedene Effekte im Körper: Sie wirken gegen Viren (antiviral), beeinflussen das Immunsystem (immunmodulatorisch) und hemmen die Teilung von schnell teilenden Zellen, beispielsweise Tumorzellen (antiproliferativ). Welche genauen Mechanismen bei der Therapie der MS zu Grunde liegen, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch Hinweise, dass Interferon beta sowohl auf Immunzellen als auch auf Botenstoffe wirkt, die an den Entzündungsprozessen der Nerven beteiligt sind.

Jedes der drei Beta-Interferone ist vor der Zulassung für die schubförmige MS in einer großen Studie mit 300 bis knapp 600 Patienten über einen Zeitraum von zwei Jahren in Vergleich zu einem Scheinpräparat (Plazebo) überprüft worden. An ihrer Wirksamkeit herrscht heute kein Zweifel mehr: In jeder Studie konnte die Schubrate durch das Interferon-beta gegenüber Plazebo um etwa ein Drittel gesenkt werden. Bei den Interferon beta-1a Präparaten konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass sie das Fortschreiten der Erkrankung signifikant verzögern. Weitere Aussagen zu den drei Präparaten sind zurzeit allerdings nicht abschließend möglich. Auch die optimale Dosierung, Injektionshäufigkeit und Applikationsform werden von den Experten noch kontrovers diskutiert. Studien zu diesen Fragen sind noch nicht abgeschlossen.

Grippale Nebenwirkungen am häufigsten

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Interferon-Therapie zählen – neben lokalen Hautreaktionen an der Injektionsstelle (Rötungen, Schwellungen) – grippeähnliche Symptome. Sie treten meistens in den ersten Stunden nach die Injektion auf und werden in der Regel mit zunehmender Behandlungsdauer seltener. Durch eine prophylaktische Einnahme von Paracetamol oder Ibuprofen lassen sich die Beschwerden häufig mildern. Die vorwiegend durch subkutane Anwendung verursachten Hautreaktionen können durch die Kühlung der Injektionsstelle gemildert werden. Da unter den Interferon beta-Präparaten weiterhin gelegentlich Stimmungsschwankungen auftreten können, die sich jedoch in vielen Fällen gut behandeln lassen, sind sie für Patienten mit Depressionen nicht geeignet.


Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Medikamenten und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Für konkrete Therapieempfehlungen sprechen Sie am besten mit einem Arzt, der Erfahrungen in der Behandlung von MS-Patienten hat.



BSMO Redaktion




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