Schock & Wut
Ungläubigkeit & Schock
„11 Jahre lang hatte ich MS, und in den Anfangstagen wurden Patienten einfach nach Hause geschickt. Wenn die Diagnose feststand, gab es nicht viel Hoffnung für die Zukunft. Heute gibt es neuartige Behandlungen, die das Leben erheblich leichter machen können." Marissa, 36, UK
Wenn sich die ersten Symptome der chronischen Erkrankung bemerkbar machen, werden Sie vielleicht zuerst versuchen, diese zu ignorieren. Sie wissen nicht, wie Sie damit umgehen sollen. Sie glauben, sie bilden sich diese nur ein. Spricht der Arzt dann die Diagnose MS aus, kann das eine große Erleichterung sein, gleichzeitig aber auch ein schwerer Schock. Erleichterung, weil die Diagnose vielleicht eine lange Phase der Unsicherheit beendet, eine Zeit voller Arztbesuche und Untersuchungen, die Ihre Symptome dennoch nicht erklären konnten. Ein Schock, weil Sie vielleicht schon einiges über MS gehört haben oder jemanden kennen, der auch betroffen ist.
Möglich ist aber auch, dass Sie zunächst einmal gelassen und ruhig reagieren und dass die Emotionen später einsetzen. Oder Sie können einfach nicht glauben, dass gerade Ihnen das passiert, Sie zweifeln die Diagnose des Arztes an. Wie ihre erste Reaktion auch sein mag, die Mitteilung, dass sie MS haben, löst bei vielen Menschen eine Krise aus.
Eine erste Erleichterung weicht meistens dem Gefühl von Angst, Niedergeschlagenheit und Zorn. Das ist bei einer Krise nichts Ungewöhnliches. Am häufigsten beginnt die MS im Alter zwischen 20 und 40. In dieser Lebensphase machen die meisten Menschen vielfältige Pläne für die Zukunft, sie beginnen, Verantwortung und Beziehungen auf längere Sicht zu planen. Natürlich stellt sich dann die Frage: Was werde ich in Zukunft noch tun können?" Und diese Frage lässt Unsicherheit für die Zukunft entstehen. Das kann Sie aus dem Gleichgewicht bringen und Sie müssen zu einem neuen inneren Gleichgewicht finden, indem Sie sich mit den veränderten Gegebenheiten arrangieren und es allmählich akzeptieren lernen, dass Sie mit der Krankheit leben müssen. Die Bewältigung der Krise ist ein vielschichtiger geistig-seelischer Prozess. Er braucht Zeit und durchläuft mehrere Phasen. Es ist jedoch grundsätzlich jedem Menschen möglich, seinen Weg zu finden, mit der MS zu leben.
Zorn, Frustration & Neidgefühle
Wird man mit einer derartigen Belastung konfrontiert, wie sie eine chronische Krankheit darstellt, so empfindet man das vor allem erst einmal als ungerecht. Mancher hadert mit seinem Schicksal (Warum gerade ich?"), beklagt die Ungerechtigkeit der Welt und beneidet jeden gesunden Menschen. Es kann Tage geben, an denen Sie sich ganz kraftlos fühlen, und dieses Gefühl macht Sie vielleicht erst recht zornig. Gerade diese Art von Emotionen ist es aber, die zu zwischenmenschlichen Problemen führen kann. Da Sie Ihren Zorn auf nichts Bestimmtes richten können schließlich ist Ihr Schicksal keine Person, die Sie direkt beschuldigen können , richtet er sich nicht selten gegen die Menschen in Ihrem Umfeld oder gegen diejenigen, die ihre Hilfe zur Verfügung stellen.
Sie sind vielleicht zornig auf den Arzt, der Ihre Krankheit nicht heilen kann oder der Ihrer Meinung nach nicht genug unternimmt, um Ihnen zu helfen. Sie empfinden Frustration, weil Sie Dinge, die alle anderen können und die Ihnen selbst früher auch möglich waren, jetzt nicht mehr leisten können oder weil Sie Tag für Tag gefordert sind, Ihre Lebensweise der neuen Situation anzupassen.
Ihr Zorn wird manchmal dazu führen, dass Sie nicht bereit sind, angebotene Hilfe anzunehmen, selbst dann, wenn Sie sie dringend brauchen. Genauso gut kann es passieren, daß die Angebote zu helfen seltener werden, denn niemand lässt sich gern unfreundlich behandeln. Willenskraft und Widerstand allein geben Ihnen keine Kontrolle über die Krankheit. Trotz allem kann es erleichtern, wenn Sie Ihren Zorn, Ihre Frustration oder ähnliche Gefühle auch einmal zum Ausdruck zu bringen.
Glücklicherweise vergeht diese Art von Gefühlen wieder; sie verändern sich mit der Bewältigungsphase, die Sie gerade durchmachen.
BSMO Redaktion





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