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Symptome




Drei Formen von Blasenstörungen

Blasenstörungen treten bei Multipler Sklerose (MS) deshalb so häufig auf, weil die Nerven für die Kontrolle der Blasenfunktion relativ lang sind und daher eine große Angriffsfläche für MS-Herde bieten. Ja nach Lage dieser zerstörerischen Läsionen können drei Formen von Blasenstörungen auftreten. Die Beschwerden sind teils belastend und teils gesundheitsgefährdend.

Die Blasenstörungen bei Multipler Sklerose äußern sich anfangs oft in einem gehäuften Drang, Wasser zu lassen – wobei gleichzeitig nur geringe Urinmengen abgegeben werden. Im weiteren Verlauf kann es passieren, dass sich der Harndrang nicht mehr kontrollieren lässt (Inkontinenz) oder nach dem Entleeren der Blase Urinreste zurückbleiben (Restharn). Diesen Beschwerden können letztendlich drei Formen von Blasenstörungen zu Grunde liegen, die sich alle ein wenig unterschiedlich darstellen. Für den Patienten sind diese Unterschiede aber kaum erkennbar.

Probleme beim Halten des Urins: die überaktive Blase

Die „hyperaktive" Blase ist die häufigste Blasenstörung. Bei ihr ist die Muskulatur in der Blasenwand („Detrusor"), die durch Anspannung den Urins „austreibt", leichter reizbar (Detrusor-Hyperreflexie). Die Folge: Die Blase ist übermäßig angespannt und verkrampft, die Wand der Blase zieht sich bereits bei der Füllung mit geringen Urinmengen zusammen, der Harndrang tritt häufiger und heftiger auf, die Menge des abgegebenen Urins sinkt. Kann der Schließmuskel der Harnröhre („Sphinkter") dem vermehrten Druck in der Blase nicht mehr standhalten, kommt es zum unwillkürlichen Harnabgang (Inkontinenz).
(Animation Blasenfunktion)

Probleme beim Halten und Entleeren des Urins: das gestörte Zusammenspiel

Ist das Zusammenspiel zwischen Zusammenziehen der Blasenwand-Muskulatur und Öffnen des Harnröhren-Schließmuskels gestört, wird die Blase nicht richtig entleert (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie). Die Patienten können nur noch ungenügend Wasser lassen oder der Wasserstrahl stoppt plötzlich, obwohl die Blase noch nicht vollständig entleert ist. Dadurch sammeln sich dort zum Teil erhebliche Mengen Restharn an, die ernste Folgen haben, wenn sie nicht entfernt werden. Denn zum einen führt die andauernde Überdehnung der Blase dazu, dass diese immer weniger auf den Füllungsdruck anspricht und die Störungen zunehmen. Es kommt sozusagen zu einer Gewöhnung. Zum anderen stellt der Restharn ein großes Risiko für Harnwegsinfektionen dar.

Probleme beim Entleeren des Urins: die schlaffe Blase

Ist die Kontraktion der Muskulatur in den Wänden der Blase herabgesetzt, ist die Blase spannungslos, schlaff und „aton" (Detrusor-Hyporeflexie). Sie zieht sich nicht ausreichend zusammen und kann sich nicht richtig entleeren. Wieder bleiben teilweise erhebliche Restharnmengen zurück - mit den bereits genannten Folgen und Risiken. Ist die Blase zu voll, resultiert - beispielsweise beim Husten - auch hier ein spontaner, unkontrollierter Urinverlust, also eine Inkontinenz (Überlaufblase). Im fortgeschrittenen Stadium der Multiplen Sklerose kann die Entleerung der Blase durch Spastiken in den Beinen, die teilweise bis in die Muskulatur des Beckenbodens und damit in den Schließmuskel der Harnröhre hinaufreichen, erschwert oder sogar unmöglich werden.

Harninkontinenz ist häufig sehr belastend

Viele Patienten empfinden insbesondere die Inkontinenz als sehr belastend. Sie trauen sich nicht mehr aus dem Haus, sind ständig auf der Suche nach dem nächsten WC und ziehen sich vor Scham aus ihrem normalen Alltagsleben zurück. Es drohen Probleme in der Partnerschaft, Vereinsamung und Depressionen.

Restharn kann die Nieren schädigen

Der Restharn macht die Blasenstörungen darüber hinaus zu einem der gefährlichsten Symptome der Multiplen Sklerose. Denn er ist ein guter Nährboden für Bakterien und erhöht daher das Risiko von Harnwegsinfektionen. Die Krankheitskeime kommen natürlicherweise im Darm vor (z.B. E. coli) und gelangen über die Harnröhre in die Blase - das Risiko ist vor allem bei Frauen groß, weil hier After und Blasenausgang eng beieinander liegen. Im Restharn vermehren sich die Erreger stark und führen zu einer Entzündung der Blase. Diese Reizung kann eine Blasenschwäche zur Folge haben. Der Patient bemerkt die Harnwegsinfektion am ständigen Gefühl, die Toilette aufsuchen zu müssen, sowie am Stechen und Brennen beim Wasserlassen.

Insbesondere bei andauerndem Restharn können die Harnwegsinfektionen regelmäßig auftreten oder sogar chronisch werden und dann mit irreparablen Nierenschäden enden. Daher ist es wichtig, bei bestehenden Blasenstörungen die Menge des Restharns nötigenfalls mit Hilfe eines Katheters zu minimieren und Harnwegsinfektionen mit verschiedenen Maßnahmen vorzubeugen bzw. mit Antibiotika oder alternativen Heilmethoden zu behandeln.

Bei Harnverhalt sofort den Arzt aufsuchen

In seltenen Fällen kann es auch zu einem „Harnverhalt" kommen, d.h. die volle Blase lässt sich überhaupt nicht mehr entleeren. Da schwerwiegende Komplikationen bis hin zum lebensgefährlichen Nierenversagen drohen, muss der Patient in dieser Situation sehr schnell ärztliche Hilfe suchen.


Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit Herrn Dr. A. Thalhammer, ZfP Weissenau



BSMO Redaktion




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