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Allgemeine Maßnahmen




Allgemeinmaßnahmen unterstützen Therapie

In der Behandlung der Blasenstörungen stehen zunächst Medikamente und Krankengymnastik im Vordergrund. Hinzu kommen verschiedene Allgemeinmaßnahmen, die die Therapie unterstützen und Harnwegsinfektionen vorbeugen. Lässt sich der unfreiwillige Harnverlust zwar bessern, aber nicht vollständig verhindern, können zudem verschiedene Hilfsmittel die Situation erleichtern.

Patienten mit Multipler Sklerose, die unter Blasenstörungen leiden, sollten die Beschwerden ernst nehmen und mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Denn zum einen ist es wichtig, dass auch diese Symptome langfristig fachlich begleitet werden, um potentiell lebensbedrohliche Situationen wie Nierenschädigungen zu verhindern. Und zum anderen kann der Arzt in Kooperation mit einem Spezialisten die Ursachen der Blasenstörungen mit Hilfe verschiedener Untersuchungsmethoden ermitteln und dann eine gezielte Therapie beginnen.

Mindestens zwei Liter pro Tag trinken

Bei den Allgemeinmaßnahmen spielt zunächst die Trinkmenge eine wichtige Rolle: Sie sollte pro Tag etwa zwei Liter betragen. Trinkt man viel mehr, muss man natürlich auch häufiger auf Toilette gehen. Umgekehrt ist es jedoch gefährlich, zu wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen, weil sich die Beschwerden dadurch verschlechtern können. Leider neigen gerade Patienten mit Blasenstörungen dazu, ihre Trinkmenge zu reduzieren.

Denn eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr beugt Harnwegsinfektionen vor, indem die Bakterien regelmäßig aus der Blase gespült werden. In einer schlecht durchspülten Blase hingegen können sich die Erreger gut vermehren, die Blasenwand chronisch reizen und letztendlich zu einem vermehrten Harndrang führen. Harntreibende Getränke, wie Alkohol, Cola oder Kaffee, sollten jedoch nur in Maßen konsumiert werden.

Harnwegsinfektionen vermeiden

Zum Vorbeugen von Harnwegsinfektionen stehen eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Verfügung. Da sich Bakterien im sauren Milieu schlechter vermehren als im basischen, ist das Ansäuern des Urins sinnvoll. Dies kann medikamentös mit L-Methionin (zum Beispiel Acimethin) oder durch regelmäßigen Konsum von Vitamin C (täglich dreimal eine Messerspitze Vitamin-C-Pulver in ein Getränk gemischt) bzw. Preiselbeersaft erfolgen. Auch das Trinken von Blasentees aus der Apotheke trägt zum Ansäuern des Urins bei.

Für Frauen bietet das Wasserlassen innerhalb von 15 Minuten nach dem Geschlechtsverkehr einen weiteren Schutz. Zudem sollte beim Wasserlassen grundsätzlich nicht mit der Bauchmuskulatur gepresst werden, da durch zurückgepressten Harn die Gefahr einer Keimbesiedelung stark zunimmt. Vor allem Frauen müssen des Weiteren nach dem Stuhlgang die Intimhygiene unbedingt von vorne (Scheide) nach hinten (After) durchführen, um die Übertragung von Keimen aus dem Stuhl in die Blase zu vermeiden.

Gang zur Toilette trainieren

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, dem unfreiwilligen Harnverlust durch eine Verhaltenstherapie entgegenzuwirken. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, mit einem so genannten Miktionstraining die Zeit zwischen zwei Toilettenbesuchen aktiv zu verlängern. Dabei legt der Arzt bestimmte Zeitpunkte fest, zu denen der Patient unabhängig vom Harndrang auf Toilette geht. Die Abstände lassen sich langsam ausdehnen mit dem Ziel, dass ein altersgerechtes Harnvolumen abgegeben und eine Inkontinenz verhindert wird.

Das Toilettentraining ist demgegenüber eine passive Anpassung der Toilettenbesuche. Hier versucht der Arzt, mit Hilfe des Blasentagebuchs in einem Zeitplan den Entleerungsrhythmus des Patienten so an die individuelle Blasenkapazität anzupassen, dass dieser häufig genug auf Toilette geht, um einer Inkontinenz zuvorzukommen.

Von der Einlage bis zum Kondomurinal

Dank medizinischer Fortschritte gibt es heute für jedes Inkontinenzproblem ein geeignetes, professionelles Hilfsmittel. Am bekanntesten sind die absorbierenden Systeme, die so genannten Inkontinenzeinlagen. Diese modernen Produkte basieren auf einer komplexen Konstruktion. Sie gewährleisten zum einen, dass die Flüssigkeit schnell aufgenommen und gespeichert wird. Zum anderen bieten sie einen hohen Tragekomfort, knistern bzw. rascheln nicht und kontrollieren den Geruch.

Für die leichteren Formen der Inkontinenz steht eine breite Palette kleiner Inkontinenzeinlagen zur Verfügung, die vor allem Frauen eine diskrete Versorgung ermöglichen. Für die Versorgung mittelschwerer Inkontinenzen eignen sich größere, anatomisch geformte Einlagen. Sie werden durch spezielle Netzhöschen am Körper fixiert, um die optimale Flüssigkeitsaufnahme sicherzustellen. Diese Produkte sind verordnungsfähig. Die idealen Versorgungssysteme für eine schwere Inkontinenz stellen schließlich große anatomisch geformte Vorlagen mit hoher Saugkapazität oder so genannte Inkontinenz-Slips dar, die rundherum einen Auslaufschutz bieten.

Auch für Männer gibt es vergleichbare Inkontinenzeinlagen. Bei leichteren Beschwerden werden sie so in den Slip geklebt, dass sie den unfreiwillig abgegebenen Urin aufsaugen können. Bei mittelschwerer bis schwerer Inkontinenz können Männer so genannte Kondomurinale verwenden. Dieses Hilfsmittel hat die Form eines Kondoms und wird über dem Penis mit Hilfe eines speziellen Klebers befestigt. Unfreiwillig verlorener Urin gelangt über einen Schlauch in einen Beinbeutel und wird hier gesammelt. Die Kondomurinale und die Auffangbeutel sind verordnungsfähig. Sie sollten frühestens nach 8-10 Stunden, besser jedoch erst nach 24 Stunden gewechselt werden.

Neben diesen Einmalprodukten gibt es mittlerweile auch textile Inkontinenzhilfsmittel auf dem Markt. Die Slips lassen sich häufig und bei hohen Temperaturen waschen und unterschieden sich im Design kaum von normaler Unterwäsche.

Säure- und Fettschutzmantel der Haut erhalten

Da die Haut im Genitalbereichs eines Patienten mit Blasenstörungen unweigerlich enormen Belastungen ausgesetzt ist, sollte er auch auf die richtige Hautpflege achten. Um einem Austrocknen und einer Keimbesiedelung vorzubeugen, ist es beispielsweise wichtig, durch verschiedene Vorsichtsmaßnahmen beim Waschen den Säure- und Fettschutzmantel zu erhalten:


  • möglichst nur Wasser oder pH-neutrale Waschlotion verwenden

  • immer mit klarem Wasser nachwaschen

  • keine Seifen benutzen

  • keine parfümierten oder deodorierten Waschsubstanzen verwenden

  • von Zeit zu Zeit mit Essigwasser waschen

  • trockene Haut mit W/O-Lotion eincremen

Außerdem wirkt auch die ausreichende Trinkmenge positiv auf die Haut: Für deren Elastizität ist nicht nur der Fettschutzfilm, sondern auch der Feuchtigkeitsgehalt wichtig.


Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit Herrn Dr. A. Thalhammer, ZfP Weissenau



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