Im Fokus
Medikamentöse Therapie der Fatigue
Bei der MS-bedingten Fatigue kann der Versuch einer medikamentösen Therapie unternommen werden. Es stehen mehrere Präparate zur Verfügung, deren Wirksamkeit individuell sehr unterschiedlich ist.
Für die Therapie der primären, MS-bedingten Fatigue, die auf die Grunderkrankung Multiple Sklerose (MS) zurückzuführen ist, stehen inzwischen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Da die genaue Ursache der Fatigue jedoch nach wie vor unbekannt ist, bleibt eine gezielte pharmakologische Linderung der Beschwerden schwierig.
Der Erfolg der Behandlung variiert von Patient zu Patient jedoch erheblich. Problematisch ist vor allem, dass die meisten Präparate derzeit noch nicht für die MS-bedingte Fatigue, sondern nur für andere Erkrankungen zugelassen sind. Zudem liegen häufig nur eingeschränkte Erfahrungen und unzureichende wissenschaftliche Studien vor.
Medikamente in der Fatigue-Therapie
Kürzlich durchgeführte Untersuchungen sprechen jedoch dafür, dass bei der MS-bedingten Fatigue mit Medikamenten die chemischen Abläufe im Gehirn beeinflusst werden können. Vor allem die neueren Wirkstoffe zielen darauf ab, insbesondere die Wachheit des Patienten zu fördern. Zu den eingesetzten Substanzen gehören:
- Amantadin
- Modafinil
- Aminopyridine
- Pemolin
Das Medikament stammt aus der Behandlung von Viruserkrankungen und wird seit Anfang der 80er-Jahre auch in der Therapie der MS-bedingten Fatigue eingesetzt. Der genaue Wirkmechanismus bei der Verminderung der Müdigkeit ist unbekannt. In einer Untersuchung zeigte Amantadin gegenüber einem Scheinpräparat eine moderate Verbesserung der Ermüdbarkeit bei insgesamt guter Verträglichkeit. Die Nebenwirkungen sind in der Regel mild und umfassen u.a. Träume, Halluzinationen, Hyperaktivität und Schwindel.
Als Wachhaltewirkstoff wird Modafinil gezielt für die Behandlung von exzessiver Schläfrigkeit am Tag eingesetzt. Er ist bislang nur für die sogenannte Narkolepsie zugelassen und kommt neuerdings auch bei der Multiplen Sklerose zum Einsatz. Modafinil konnte in einer Studie mit MS-Patienten die Fatigue bei etwa zwei Drittel der Teilnehmer mindern. Mit der Substanz laufen derzeit weitere Studien. Sie ist relativ sicher und gut verträglich. Zu den bekannten Nebenwirkungen in höherer Dosierung zählen Kopfschmerzen, Schwindel und Schwächegefühl.
Diese Medikamentengruppe verbessert die Reizleitung der Nerven, die durch die MS geschädigt sind. Sie hat in Studien vor allem temperaturabhängige Symptome, inkl. Fatigue verbessert. Experten halten die therapeutische Einsatzbreite der Substanzen jedoch für gering. Zudem weisen sie auf ernsthafte Nebenwirkungen wie epileptische Anfälle, Herzprobleme und die sogenannte Trigeminusneuralgie (schmerzhafte Störung eines Gesichtsnerven) hin.
Der Wirkstoff Pemolin führt zu einer generellen Stimulation des zentralen Nervensystems. Bei Fatigue zeigte er jedoch nur in hohen Dosierungen eine Wirksamkeit, die nach Angaben von Experten auch geringer war als die von Amantadin. Zudem gingen die hohen Dosierungen bei etwa einem Viertel der Patienten mit zum Teil massiven Nebenwirkungen einher, die zum Abbruch der Therapie führten. Dazu gehören u.a. Leberschädigungen, sodass während der Behandlung eine sorgfältige Überwachung durch regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig ist.
Experten-Empfehlungen für die Fatigue-Therapie
In einer Leitlinie der Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe (MSTKG) zur symptomatischen Therapie der Multiplen Sklerose aus dem Jahre 2004 empfehlen die Experten bei Fatigue zunächst anderweitige, behandelbare Ursachen wie Infektionen oder Depression auszuschließen. Darüber hinaus können nach ihren Angaben Kühlungsmaßnahmen eine wichtige Hilfe sein.
In der medikamentösen Therapie der primären Fatigue rät die Leitlinie initial zur Behandlung mit Amantadin. Bei unzureichender Wirksamkeit wird ein Versuch mit Modafinil oder einem Aminopyridin empfohlen. Ergänzend oder bei nicht ausreichender Effektivität sind zudem nicht-medikamentöse Maßnahmen hilfreich, die von einfachen Anpassungen des Alltags bis hin zu komplexen Rehabilitationsmaßnahmen einschließlich einem sogenannten Energieeffizienztraining reichen können.(pe)
Quellen:
MS in focus. Multiple Sclerosis International Federation 2003;1:17-8
Fatigue Energiemanager. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft 2004:5-6
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft: http://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/index.php?kategorie=forschung&anr=120
Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe (MSTKG). Symptomatische Therapie der Multiplen Sklerose. Nervenarzt 2f004;75(Suppl 1):S2S39





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