Vererbung
Ist die MS eine erbliche Erkrankung?
Bekannt ist, dass in der Bevölkerung der Nordhalbkugel die Multiple Sklerose überproportional häufig auftritt. Auch aufgrund dieser Beobachtung wird angenommen, dass die Anlage", an einer MS zu erkranken, in gewissem Umfang vererbt wird. Dennoch ist die Multiple Sklerose keine Erbkrankheit im klassischen Sinne. Familienmitglieder eines MS-Patienten haben lediglich ein geringfügig höheres Risiko, ebenfalls an MS zu erkranken als Menschen, in deren Familie die Erkrankung nicht vorkommt. Was die tatsächliche Höhe des Risikos betrifft, geben die vorhandenen Studien leicht voneinander abweichende Auskünfte.
Unumstritten das höchste Risiko besitzen eineiige Zwillinge: Wird einer der Zwillinge krank, so liegt für den anderen Zwilling die Wahrscheinlichkeit, an einer MS zu erkranken, bei bis zu 30 Prozent. Bei zweieiigen Zwillingen und normalen" Geschwistern ist dieses Risiko bereits wesentlich kleiner und beträgt 2 bis 4 Prozent. Dieses Erkrankungsrisiko gilt auch für Kinder einer MS-kranken Mutter oder Vaters. Umgekehrt ausgedrückt: Kinder und Geschwister eines MS-Patienten erkranken mit ca. 97%iger Wahrscheinlichkeit nicht an einer MS.
Das normale, durchschnittliche Erkrankungsrisiko beträgt hierzulande 0,05 bis 0,1 Prozent. Das bedeutet, von 10.000 Menschen erkranken 5 bis 10 an Multipler Sklerose.
Wird nachgefragt, ob in der Familie des MS-Patienten weitere Fälle bekannt sind, so findet man: drei bis fünf Prozent haben enge Familienangehörige, etwa 20 % entferntere Verwandte, bei denen eine MS besteht.
Nach wie vor muss bei solchen Aussagen folgendes bedacht werden: Die Relevanz und das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren untereinander sind noch weitgehend unbekannt. Wenn die Erkrankungshäufigkeit bei Familienmitgliedern betrachtet wird, gilt sehr oft, dass sie auch ähnlichen Umweltfaktoren ausgesetzt sind. Die äußeren Einflüsse sind womöglich gewichtiger als die erbliche Veranlagung.
Bislang wurde der Erbfaktor für die MS im Erbgut noch nicht genau identifiziert - Wissenschaftler gehen jedoch von Veränderungen mehrerer Gene aus. Man hat herausgefunden, dass besimmte Eiweiße und immunologische Merkmale (so genannte HLA-Merkmale) der weißen Blutkörperchen bei MS-Patienten sehr viel häufiger als in der Allgemeinbevölkerung in bestimmter Weise ausgeprägt sind. Und auch umgekehrt: bestimmte Ausprägungen finden sich in der gesunden Bevölkerung signifikant häufiger als bei MS-Patienten. Sie sind beteiligt an der Steuerung bestimmter Abwehrreaktionen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Multiple Sklerose familiär zwar gehäuft auftreten kann. Es verhält sich vermutlich aber so, dass nur die Disposition, d.h. die Empfänglichkeit, zu erkranken, vererbt wird. Diese Veranlagung kann das Auftreten der Krankheit also begünstigen, vorausgesetzt, daß weitere auslösende Bedingungen hinzu kommen.
BSMO Redaktion





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