Bewertungsskalen
Skalen erleichtern Bewertung der neurologischen Untersuchung
Bei MS können mit Hilfe der Kernspintomographie entzündliche Veränderungen sichtbar gemacht werden, doch über den Grad der Behinderung sagt die Untersuchung direkt nichts aus. Diesen beurteilen Ärzte derzeit in der Regel mit der EDSS-Skala, die auf den Ergebnissen der neurologischen Untersuchungen basiert. Der neuere und breiter angelegte MSFC-Score erfasst den Gesundheitszustand jedoch womöglich besser.
Vor allem in Studien halten Ärzte die Resultate der neurologischen Untersuchung in einer Skala fest: Anhand dieser Aufzeichnungen lässt sich der Grad der aktuellen Beeinträchtigung ablesen. Zudem können mit ihrer Hilfe im Verlauf der Erkrankung mögliche Veränderungen besser erkannt werden.
EDSS-Skala bewertet Grad der Behinderung
Bisher erfolgte dies häufig anhand der so genannten EDSS-Skala (Expanded Disability Status Scale), die vom amerikanischen Neurologen Kurtzke entwickelt wurde und vereinfacht eine "Skala des Schweregrads der Behinderung" darstellt. Die Werte auf der Skala reichen von 0-10, wobei die Schritte jeweils in halben Punktwerten erfolgen: Je größer der erreichte Wert, desto fortgeschrittener ist die Behinderung.
Der Wert 0 deutet auf einen normalen neurologischen Befund hin. 1 zeigt an, dass minimale Symptome gefunden wurden. 2 lässt auf eine leichte, 3 auf eine mäßige Behinderung schließen. In der Regel ist das Alltags- und Berufsleben von Patienten mit Werten bis zu 3 nur minimal beeinträchtigt. Auch sind sie in dieser Phase noch uneingeschränkt gehfähig.
Ab 4 nehmen die Beeinträchtigungen insgesamt wesentlich mehr Raum ein. Patienten, die in diesen Bereich fallen, leiden bereits unter einer relativ starken Behinderung. Sie sind aber immer noch fähig, rund einen halben Kilometer ohne Hilfe und ohne Pause zu gehen.
Bei einem Wert von 5 können die Betroffenen nur noch rund 200 Meter ohne Hilfe oder Pause gehen. Bei 6 wird dann schon entweder zeitweise oder ständig eine Gehhilfe notwendig.
MSFC-Score ist breiter angelegt

Die EDSS-Skala hat allerdings den Nachteil, dass sie vor allem motorische Defizite, insbesondere der Gehfähigkeit, bewertet. Da aber im Verlauf der Multiplen Sklerose häufig auch andere Behinderungen auftreten, die das Alltagsleben einschränken, werden inzwischen neue Skalen entwickelt, die breiter angelegt sind.
Eine Skala, bei der diese Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist, stellt der MSFC-Score (MS Functional Composite) dar. Er erfasst neben der Beinfunktion und der Gehfähigkeit, auch die Armfunktion und die geistigen Fähigkeiten, so dass er den Gesundheitszustand eines Patienten möglicherweise zuverlässiger und vor allem auch breiter widerspiegelt. Zudem ist der MSFC-Score in der Praxis leichter anzuwenden: Er setzt minimales Equipment voraus und dauert nur 15 Minuten.
In einer kürzlich erschienenen Publikation haben amerikanische Neurologen die Ergebnisse von verschiedenen Studien zur Zuverlässigkeit des neuen MSFC-Score zusammengetragen. Für die Überprüfung der Beinfunktion stimmten die Ergebnisse von EDSS und MSFC mäßig überein. Der MSFC-Score gab jedoch die Veränderungen im Gehirn besser wieder, die mittels Kernspintomographie zu finden waren. Außerdem korrelierte er besser mit den Angaben, die die Patienten zu ihrer Lebensqualität machten.
BSMO Redaktion





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