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T-Zellen als Serienkiller
13.11.2009 Durch fehlgeleitete Aktivitäten schädigt das Immunsystem bei Multipler Sklerose auch die Nervenzellen selbst. Das passiert - wie Forscher aus Würzburg und Zürich erstmals experimentell nachgewiesen haben - regelhaft beim gezielten Angriff des Immunsystems auf die Umhüllung der Nervenzellen.
Entzündungen im zentralen Nervensystem können von Viren oder vom Immunsystem ausgelöst werden; letzteres ist zum Beispiel bei der Multiplen Sklerose der Fall. Drastisch sind die Folgen: Es sterben diejenigen Zellen, die eine isolierende Hülle um die Nervenfasern herum aufbauen und intakt halten. Die Hüllen gehen ebenso verloren, und oft sterben schließlich auch die Nervenzellen selbst.
"Bei Multipler Sklerose zum Beispiel nimmt man an, dass nicht nur der Verlust der Myelinhüllen, sondern vor allem der Tod der Nervenzellen entscheidend für die bleibenden Behinderungen ist, mit denen viele Patienten zu kämpfen haben", sagt Professor Heinz Wiendl von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg. Das seien Behinderungen wie Lähmungen oder eine eingeschränkte Sehfähigkeit.
Zwei Arbeitsgruppen haben nun zeitgleich erstmals beschrieben, dass bestimmte T-Zellen des Immunsystems nicht nur die myelinbildenden Zellen direkt beeinträchtigen, sondern auch "Kollateralschäden" bei Nervenzellen oder deren Fortsätzen hervorrufen. Veröffentlicht sind die Arbeiten in den Fachblättern Glia und American Journal of Pathology.
Wiendls Team aus der Neurologie der Universität Würzburg ist das in Hirngewebekulturen gelungen: T-Zellen, die ausschließlich eine bestimmte Struktur auf der Oberfläche der myelinbildenden Zellen attackieren, verursachten innerhalb weniger Stunden auch einen signifikanten Untergang von Nervenzellen. Wie dieser indirekte Effekt zu Stande kommen könnte, erklärt der Würzburger Forscher Sven Meuth: "Möglicherweise setzen die T-Zellen lösliche Faktoren frei, wie Perforin oder Granzym-B, die dann zu den Nervenzellen wandern und sie schädigen."
Geradezu wie Serienkiller gehen die aggressiven T-Zellen dabei vor: "Eine einzige davon kann bis zu 30 myelinbildende Zellen und gleichzeitig bis zu zehn Nervenzellen töten", sagt Heinz Wiendl.
Diese T-Zellen schneiden die Fortsätze von Nervenzellen regelrecht durch. Das konnte das Team von Professor Norbert Goebels von der Universität Zürich (jetzt Düsseldorf) in einem ähnlichen experimentellen Ansatz mit Videoanalysen belegen.
"Diese Ergebnisse helfen uns, die Entstehung von akuten und chronischen Schäden bei Entzündungen des zentralen Nervensystems besser zu verstehen", erläutert Professor Wiendl. Auch die Patienten profitieren in der Zukunft möglicherweise von den Erkenntnissen - schließlich eignen sich die aggressiven T-Zellen als Angriffspunkt für neue Therapien. Darum wollen die Würzburger Wissenschaftler noch möglichst viel Neues über die Serienkiller herausfinden.
bsmo - Redaktion
Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft: www.idw-online.de
Julius-Maximilians-Universität Würzburg: www.uni-wuerzburg.de





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