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Bewegung als Vorbeugung gegen Depressionen

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23.02.2010 – Regelmäßige sportliche Betätigung bessert bei den meisten Menschen die Stimmung, dies gilt auch für Menschen mit Depressionen. Möglicherweise beugt Sport und Fitness sogar bis zu einem gewissen Grad Depressionen vor.

Eine wahrscheinlich häufige Ursache von Depressionen ist der Bewegungsmangel. "Bedingt durch das Internet und das Fernsehen und die dadurch hervorgerufene Sprachlosigkeit und damit Kritiklosigkeit in den Familien, kommt es zu Inaktivität und Isolation", so die Wiener Psychiaterin Liane Saxer-Novotny in einem Interview mit pressetext. Das treffe vor allem bei Jugendlichen zu.

"Von einer Depression spricht man, wenn ein Leidensdruck besteht, der länger als 14 Tage anhält. Die Menschen leiden unter einer Lust-, Freud- und Interessenlosigkeit, meist gepaart mit Antriebsmangel bis hin zur schweren Bewegungsarmut", erklärt die Fachärztin. Zudem komme es häufig auch zu Angstzuständen und einem Vermeidungsverhalten mit innerpsychischer Zurückgezogenheit.

Die Expertin kritisiert, dass es in der Bevölkerung immer noch viele falsche Vorurteile gegen den Besuch eines Psychiaters gibt. "Dabei wäre das rasche Aufsuchen des Experten von großem Vorteil, denn je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto eher ist eine Heilung zu erwarten", erklärt Saxer-Novotny. "Viele Betroffene scheuen sich vor dem Arztbesuch, weil sie Depressionen mit Verrücktsein assoziieren." Das sei eine völlige Missdeutung, denn bei der Depression handle es sich um eine psychiatrische Erkrankung, die mit einer Stoffwechselstörung von Neurotransmittern im Sinne eines Mangels derselben gleichzusetzen ist.

"Der Psychiater klärt zunächst in einem ausführlichen Gespräch die Situation ab und erstellt einen psychiatrischen Status." Mit der Diagnose wird dann die Therapie entweder medikamentös und oder auch psychotherapeutisch eingeleitet. "Der Psychiater spielt bei der Behandlung die Rolle des Arztes und führt Regie", erklärt Saxer-Novotny. Dabei werde auch der soziale Status des Patienten untersucht, sowie die finanziellen Möglichkeiten für eine Pychotherapie berücksichtigt. "Da es nur wenige psychotherapeutische Kassenplätze gibt, sind die Wartezeiten leider oft sehr lange."

Vielfach gebe es auch den Irrglauben, dass eine Depression einer Ursache zugeordnet werden kann. "Das ist nicht immer zutreffend", erklärt Saxer-Novotny. Statements wie "Du bist doch nicht verrückt" gehören leider immer noch zum Alltag. "Dabei ist es ist wichtig, dass man sich nicht vor der Meinung der Familie, der Freunde und Arbeitskollegen fürchtet und mit Familie und Freunden über alltägliche Probleme spricht", betont die Psychiaterin.

Kontraproduktiv sei auch die Flucht in verschiedene Süchte wie Essen, Alkohol, Nikotin oder Drogen. "Gefährlich ist aber auch die Flucht in die Arbeit." Die Expertin rät dazu, unwichtige Stressfaktoren aus dem Leben zu streichen und mehr darauf zu achten, die eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen. "Ein völliger Irrglaube ist auch, dass man über das Internet geheilt werden kann", so Saxer. Eine Depression sei eine Erkrankung, die fachkundige Behandlung erforderlich mache und es sei absolut wichtig, nicht zu lange zu warten, um diese in Anspruch zu nehmen.

Die oft gehörte Meinung, man lasse sich nicht mit Medikamenten vollstopfen, könne man heute vernachlässigen, erklärt die Fachärztin. "Moderne Therapeutika haben wenig Chemie, wirken schnell, haben kaum Nebenwirkungen und erzeugen keine Sucht. Es obliegt dem Können des Experten, den Patienten so einzustellen, dass er optimal versorgt wird."

Die Psychiaterin rät neben der regelmäßigen körperlichen Betätigung auch dazu, einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten, äußere Einflüsse wie TV-Konsum und soziale Aktivitäten zu fokussieren und je nach Erfordernis zu reduzieren oder zu forcieren sowie auf eine gepflegte Sprachkultur zu achten. "Wichtig ist auch die Frage, wie man mit Aggressionen umgeht und welches Selbstwertgefühl man empfindet."

Die heutige Gesellschaft mit ihrer Schnelllebigkeit und dem hohen Maß der Perfektionierung stelle für viele eine große psychische Belastung dar, bestätigt die Medizinerin. "Daher ist es wichtig, nicht nur auf die physischen, sondern auch auf die psychische Gesundheit zu achten und die Dienste von Fachexperten in Anspruch zu nehmen, wenn dies notwendig ist", so Saxer-Novotny abschließend. (pte)



bsmo - Redaktion



Quelle: pressetext




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