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Leistungsminderung




Leistungsminderung bei der Multiplen Sklerose

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„Stell‘ dich nicht so an!" oder „Reiß‘ dich mal zusammen!" – solche Bemerkungen bekommen MS-Patienten unter Umständen öfter zu hören. Denn rasche Ermüdung zählt zu den häufigsten Symptomen der Multiplen Sklerose. Im Verlauf der Erkrankung können verstärkt Konzentrationsstörungen auftreten oder die Aufmerksamkeit vermindert sein.

Müdigkeit

Auch schon zu frühen Zeitpunkten im Verlauf der Multiplen Sklerose besteht oft Müdigkeit. Sie zählt zu den häufigsten Symptomen und war lange Zeit nicht als solches bekannt oder wurde einfach nicht ernst genommen. Müdigkeit besteht zumindest zeitweise bei rund 77 Prozent aller Betroffenen. Oft wesentlich stärker ausgeprägt als normal, kann die abnorme Ermüdbarkeit zu einer erheblichen Einschränkung des Leistungsvermögens in Beruf und Alltag führen.

Eine organische Grundlage, mit der sich die MS-typische, verstärkte Müdigkeit erklären ließe, kennt man nicht. Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, die u.a auf eine Verursachung durch andere MS-Symptome zurückgreifen. Dennoch beobachtet man die starke Müdigkeit auch unabhängig bestimmter Einflüsse.

Schmerzen oder lästige Krämpfe lassen die Patienten häufig nicht zur Nachtruhe kommen. Wie bei jedem Gesunden verursachen Schlafstörungen vermehrte Tagesmüdigkeit und eine eingeschränkte Belastbarkeit.

Man vermutet, dass auch Schmerzbelastungen der Muskulatur Ursache sein können. Sie bedingen einen erhöhten Energiebedarf, der entsprechend durch vermehrte oder kalorienhaltigere Nahrung ausgeglichen wird. Das kann müde machen.

Eine weitere Idee ist, dass das Entzündungsgeschehen das Gehirn womöglich schlichtweg überfordert. Es gibt folgende Überlegungen, ganz bildlich ausgedrückt: 1. Das Gehirn muss permanent elektrische Impulse abgeben, um die Blockaden der Nervenfasern durch Myelindefekte auszugleichen. 2. Es ist schwieriger, die eintreffenden Signale, die durch die Leitungsblockaden in ihrer Qualität schlechter sind, zu dechiffrieren.

Nicht zu vergessen: ein Hauptsymptom der Depression, die ja auch besonders häufig bei MS-Patienten besteht, ist - die Müdigkeit.

Im Allgemeinen tritt das Gefühl der Erschöpfung täglich auf. Manchmal bereits morgens, selbst wenn der Betroffene ausreichend und gut geschlafen hat. Meist nimmt die Ermattung dann im Laufe des Tages zu und macht sich besonders stark in den späten Nachmittagsstunden oder am frühen Abend bemerkbar.

Was kann getan werden? Im ersten Schritt heißt es: möglichst Anpassen des Alltags an die Anforderungen durch die Erkrankung. Legen Sie zwischendurch Ruhepausen ein und lassen Sie auf einen anstrengenden Tag einen Ruhetag folgen. Auch empfiehlt es sich, die täglichen Belastungen so gering wie möglich zu halten, also sich die Arbeit in kleinere Portionen einzuteilen und sie sich gegebenenfalls auch durch Familienmitglieder, Freunde oder auch durch eine Haushaltshilfe abnehmen zu lassen. Des weiteren sind Anschaffungen diverser Haushaltsgeräte zur Erleichterung bestimmter Tätigkeiten, wie zum Beispiel einer Spülmaschine ratsam.
Hitze und Feuchtigkeit verstärken die Beschwerden oft. Daher sollte man zudem auf eine kühle, trockene Umgebung achten. Manchmal hilft auch eine kühle Dusche zwischendurch.
Neben der gezielten Schonung ist es für die Patienten aber auch wichtig, in Bewegung zu bleiben – zum Beispiel durch Gymnastik oder Physiotherapie. Sie brauchen keine Angst vor einer zusätzlichen Ermüdung durch den Sport zu haben, wenn dieser in Maßen ausgeübt wird. Im Gegenteil, er verhilft zu neuen Kräften!

Sollte trotz Beachtung und Umsetzung solcher Hinweise, die Müdigkeit zu behindernd sein, kann auch mal ein medikamentöser Therapieversuch gestartet werden.

Kognitive Störungen

Im Verlauf der Krankheit kann es neben der Beeinträchtigung des körperlichen Leistungsvermögens und der Müdigkeit auch zu einer Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit kommen. Man bezeichnet die möglichen Symptome zusammenfassend als kognitive Störungen. Darunter fallen Konzentrationsstörungen, vermehrte Vergesslichkeit, eine herabgesetzte Aufmerksamkeit und Denkstörungen ganz allgemein.

Diese Symptome können recht früh auftreten. Manchmal sogar noch bevor die Diagnose MS überhaupt gestellt wurde. Wie für die Multiple Sklerose charakteristisch ist unbestimmt, ob und wann und in welchem Ausmaß solche Probleme auftreten werden. Die Symptomatik ist individuell sehr unterschiedlich. Einige Patienten leiden stark und auch früh darunter, andere wiederum nie. Die Intelligenz vermindert sich durch MS bedingte kognitive Störungen nicht, aber die geistigen Prozesse können langsamer verlaufen. Häufig bestehen Gedächtnisstörungen, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses. Aufmerksamkeitsstörungen machen sich z.B. dadurch bemerkbar, dass sie viele, parallel miteinander auftretende Reize nicht adäquat verarbeiten und selektieren können. Sie fühlen sich selbst u.U. schnell überfordert.

Bei einem geringen Prozentsatz aller Patienten kommt es zu einer Demenz. Auch dies kann in seltenen Einzelfällen in einem recht frühen Krankheitsstadium erfolgen; meist jedoch, wenn überhaupt, erst nach vielen Jahren.

Spezielle neuropsychologischer Testverfahren helfen das Vorhandensein und die Einstufung des Schweregrades solcher kognitiver Leistungsminderungen aufzuzeigen. Auch vergleichende Verlaufsbeobachtungen sind auf Basis dieser Tests deutlicher.

Auch die Magnetresonanztomografie kann diesbezüglich Aufschlüsse geben. Grob kann gesagt werden, dass mit der Größe des Ausmaßes sichtbarer Veränderungen wie Anzahl und Fläche der Plaques sowie mögliche Verkleinerung der Hirnsubstanz, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens kognitiver Störungen steigt. Dennoch wurden oft genug Fälle beobachtet, die trotz ausgeprägt sichtbarer Veränderungen auf den Schnittbildern unter keinerlei Konzentrationsminderungen oder ähnlichem leiden. Andersherum gibt es Patienten mit ganz ausgeprägten Leistungsminderungen, der dazugehörige Bildbefund zeigt aber nur ganz schwach ausgeprägte Krankheitszeichen.

Körperliche Leistungseinschränkungen

Körperliche Behinderungen können im Verlauf der Erkrankung nach nicht vollständig zurückbildeten Schüben oder bei Bestehen einer progredienten Krankheitsentwicklung zurückbleiben. Durch Lähmungen der Beine oder seltener auch der Hände und Arme, Gangstörungen, Sehminderungen oder Koordinationsstörungen werden viele Handlungen des Alltags oder Berufslebens stark eingeschränkt oder gar unmöglich. Auch Blasenstörungen z.B. in fortgeschritteneren Stadien können dazu führen, dass bestimmte Tätigkeiten nicht mehr in vollem Umfange durchführbar sind.



BSMO Redaktion




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