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Sexuelle Störungen




Sexuelle Störungen sind häufig bei MS

schmusendes Paar

Dem Zentralen Nervensystem kommt auch in Hinblick auf unser Liebesleben eine bedeutende Rolle zu. Durch Funktionsstörungen bestimmter Nervenbahnen oder Zentren, vor allem wenn sie sich im Rückenmark abspielen oder das autonome Nervensystem betreffen, kann das Sexualleben beeinträchtigt werden. Dies betrifft vor allem MS-Kranke, bei denen Bewegungsstörungen oder ein vermindertes Empfindungsvermögen im Unterleibsbereich besteht. Auch Blasenprobleme können zu sexuellen Störungen führen.

Eine Mehrzahl der Patienten ist davon betroffen. Laut Studien berichten bis zu 90 Prozent der männlichen Patienten und bis zu 80 Prozent der weiblichen Betroffenen von „krankheitsbedingten" Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr.

Bedacht werden muss, wie oft bei solchen heiklen, mit Scham verbundenen Themen, dass Daten und Statistiken kritisch betrachtet werden sollten.
Es gibt sicherlich Patienten, die ihrem Arzt nichts von ihren sexuellen Problemen erzählen, da die Hemmschwelle gerade in diesem Bereich sehr groß ist. Andererseits sind Störungen sexueller Art bei MS-Kranken, wie auch bei gesunden Menschen oft auf psychische Probleme zurückzuführen.
Eine chronische Erkrankung wie die Multiple Sklerose führt oft zu reaktiven Depressionen, die eine normale Reaktion auf ein einschneidendes Ereignis wie das Auftreten einer schweren Erkrankung bedeuten, sich aber genauso negativ auf die Stimmung auswirken wie andere Depressionen. Chronifizierung und mögliche Behinderungen reduzieren oft das Selbstwertgefühl der Patienten. Sie fühlen sich nicht mehr attraktiv oder begehrenswert und leiden unter Versagensängsten, weil sie sich ihrer Körperfunktionen nicht mehr sicher sind. Zumindest im Anfangsstadium lässt sich kaum unterscheiden, ob Veränderungen der Potenz oder Libidostörungen eine organische oder eine psychische Ursache haben. Psychische Störungen wie Depressionen sind oft auch verursacht durch hirnorganische Veränderungen, wie sie bei der MS natürlich bestehen.

Daneben steht fest: MS kann organisch bedingte sexuelle Störungen auslösen. Typisch ist eine verminderte Gefühls- und Orgasmusfähigkeit, Erektions- und Ejakulationsstörungen. Auch Überempfindlichkeiten von Vagina und Klitoris oder eine trockene Vagina sind nicht selten. Ebenso können schmerzhafte Muskelverspannungen und die verstärkte Müdigkeit das Lustempfinden deutlich mindern. Hinzu kommt, dass einige Medikamente als Nebenwirkung das sexuelle Verlangen herabsetzen.

Gerade im Bereich der Sexualität ist das Verständnis des Partners ungeheuer wichtig. Erkrankt der Freund oder die Freundin, der Ehemann oder die Ehefrau an Multipler Sklerose, dann hat dies immer Auswirkungen auf ihre Beziehung. Häufig versucht der gesunde Partner die Rolle des Pflegers zu übernehmen, behandelt ihn überfürsorglich, so dass ein gleichberechtigtes Partnerschaftsgefühl beidseits verloren gehen kann. Auch das kann sich negativ auf das Sexualleben auswirken. Um Probleme aus der Welt zu schaffen und gegebenenfalls neue Wege in der Sexualität zu bestreiten, ist das offene, ehrliche und liebevolle Gespräch unerlässlich. Auch sollte man sich nicht scheuen, im Zweifelsfall die Hilfe eines Sexualtherapeuten in Anspruch zu nehmen.



BSMO Redaktion




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