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Wie wird ein MS-Schub behandelt?
Bei beeinträchtigenden MS-Schüben wird in der Regel eine medikamentöse Therapie empfohlen. Die meisten Patienten erhalten eine hochdosierte Kortison-Behandlung. In schweren Fällen kann jedoch auch eine Blutwäsche erwogen werden.
Obwohl sich akute Schübe bei einer Multiplen Sklerose (MS) spontan wieder zurückbilden können, empfehlen die meisten Ärzte eine Behandlung, wenn deutliche Beschwerden vorliegen. Ziel ist es, dass die beeinträchtigenden Symptome schneller wieder abklingen. Ob sich hierdurch auch das Auftreten neuer Schübe hinauszögern lässt, ist bislang noch unklar.
Ein akuter Schub muss zunächst mithilfe einer standardisierten und umfassenden neurologischen Untersuchung gesichert werden. Entscheidet sich der Arzt für eine Therapie, verabreicht er in aller Regel hoch dosiertes Kortison intravenös. Die Substanz wirkt stark antientzündlich und greift regulierend in das Immunsystem ein. Auf diese Weise kann sie die Dauer der Beschwerden verkürzen, die Schwere des Schubes verringern und die Erholung des Patienten beschleunigen. Die Behandlung sollte möglichst innerhalb von drei bis fünf Tagen nach Auftreten der Symptome beginnen und an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt werden. Eine derartig kurzzeitige Pulstherapie mit Kortison ist für die meisten Patienten selbst in hoher Dosierung gut verträglich.
Zeigt eine erneute neurologische Untersuchung zwei Wochen nach Beendigung der Kortison-Pulstherapie keine ausreichende Besserung, kann die die Pulstherapie ggf. mit höherer Dosis wiederholt werden. Erneut erfolgt zwei Wochen später eine Nachuntersuchung. Ist die Besserung der Symptome noch immer nicht ausreichend, kann eine sogenannte Plasmapherese in einem MS-Zentrum erwogen werden. Sie sollte möglichst vier bis spätestens sechs Wochen nach Auftreten der Symptome beginnen. Die akute Schubtherapie lindert jedoch immer nur die momentanen Beschwerden. Sie hat keinen Einfluß auf die Langzeitprognose der Erkrankung.
Blutwäsche bei unzureichendem Erfolg
Bei der Plasmapherese bzw. Blutwäsche wird das Blut aus dem Körper entfernt und in einer Zentrifuge in Blutzellen und den flüssigen Anteil (Plasma) aufgetrennt. Anschließend werden die körpereigenen Blutzellen zusammen mit Fremdplasma ("Plasmaaustausch"), gereinigtem eigenem Plasma (nach Entfernung schädlicher Stoffe), einer eiweißhaltigen Lösung (z.B. Humanalbumin) oder einer Kochsalzlösung in den Körper zurückgeführt. Dieser Vorgang lässt sich mehrere Male wiederholen.
Durch das Abtrennen des Plasmas können Substanzen wie Antikörper und sogenannte Komplementfaktoren, die in der Blutflüssigkeit gelöst sind, aus dem Körper entfernt werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei Immunreaktionen und sind bei einem Teil der Patienten an der Bildung der entzündlichen MS-Läsionen beteiligt. Diese Patienten profitieren teilweise sehr gut von der Blutwäsche.
Leider lässt sich bislang nicht vorhersagen, ob eine Plasmapherese erfolgreich sein wird. Denn der Nachweis, ob Antikörper und Komplementfaktoren beim jeweiligen Schub von zentraler Bedeutung sind, ist derzeit noch nicht mit einfachen Methoden wie Blutuntersuchungen oder Kernspintomographie möglich.
Sehr schwere Schübe
Nehmen die Schub-Symptome während der ersten Kortison-Schubtherapie weiter zu, kann die Plasmapherese vereinzelt auch anstelle der zweiten Pulstherapie zum Einsatz kommen. Darüber hinaus ist bei komplizierten, schweren Verläufen von Schüben und anhaltender Krankheitsaktivität in der Kernspintomographie womöglich eine frühzeitige Unterdrückung des Immunsystems durch eine intensive Immuntherapie sinnvoll. In diesen Fällen sollte die Behandlung jedoch mit einem MS-Zentrum abgestimmt werden.
bsmo-Redaktion
Quelle:
Ein Schub - was jetzt?
Patienten-Broschüre von biogen idec
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose, letzte Überarbeitung: 16. Oktober 2004
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband (DMSG): Plasmapherese (Blutwäsche") bei der Multiplen Sklerose, 6. März 2006
Multiple sclerosis international federation: Behandlung akuter Schübe. 2008






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